Cover & Klappentext
Mich hat zuerst das Düstere des Covers angesprochen, aber auch die Details wurden schön gestaltet. Mir gefällt es sehr.
Doch ganz gleich, wie gelungen ein Cover auch ist, es kommt auf den Inhalt an. Umso erstaunlicher, dass ich wieder bei einem dystopischen Roman gelandet bin, denen ich häufig etwas misstrauisch gegenüberstehe.
Was soll ich sagen, der Klappentext überzeugt, also konnte ich gar nicht anders.
Meinung
New Found Haven besteht aus Ringen, die um das Heart herum angelegt wurden. Mittig lebt die Elite in Reichtum, während in den Randbezirken die Ärmsten vor sich hinvegetieren.
Greyson Serel, der Sohn des Präsidenten und Executioner, hütet ein paar Geheimnisse, die seinen Tod bedeuten könnten. Als die Auftragskillerin Shadera auf ihn angesetzt wird, aber scheitert, soll sie als Statement mit ihm verbunden werden. Die Daggermouth und der Executioner hassen sich abgrundtief, aufgrund dessen, was sie verkörpern. Doch die Feindschaft bekommt Risse, als sie sich näher kennenlernen.
Diese Story beinhaltet viele brutale Szenen, die äußerst plastisch dargestellt wurden, daher sollten potentielle Leser, die darauf empfindlich reagieren, genau abwägen, um nicht getriggert zu werden.
In der personalen Erzählform wird man aus der Perspektive diverser Charaktere durch das Geschehen geführt, wobei der Fokus klar auf Greyson und Shadera liegt.
Der Einstieg gestaltete sich als etwas schwergängig, bedingt durch die Beschreibungen, wegen der am Anfang nicht greifbaren Figuren und des Schreibstils. Dieser zeichnet sich durch viele Schachtelsätze aus, wodurch das Lesen eine kleine Herausforderung darstellte. Mit der Zeit habe ich mich jedoch daran gewöhnt und fand sogar Gefallen daran. Es kann aber auch dazu führen, dass der ein oder andere abspringt, denn das Verständnis leidet darunter.
Im Verlauf wird es zum Glück deutlich besser, sodass man sich intensiver auf die Hintergründe konzentrieren kann, sowie auf die Charaktere.
Im Mittelpunkt steht unter anderem Shadera, mit der ich zu Beginn meine Schwierigkeiten hatte. Als Auftragskillerin überlebt sie, anstatt zu leben. Erst als sie erstmals versagte, bekommt man einen besseren Eindruck von ihr. Sie unterdrückt ihre Gefühle, wird aber im Heart an ihre Grenzen gebracht. Gerade Greyson spricht etwas in ihr an, was sie nicht zulassen will.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mich gut in sie hineinversetzen.
Greyson hingegen war sofort greifbar. Seine Angst, seine Verzweiflung, sein Trotz, seine Wut, die Abneigung alles wird deutlich. Obwohl er privilegiert aufgewachsen ist, kämpft auch er ums Überleben, denn sein Vater ist besessen von Kontrolle und Macht.
Es wird schnell klar, dass Shadera und Greyson vieles gemeinsam haben.
Die Idee empfinde ich als gelungen, auch wenn New Found Haven und die Anordnung der Ringe nichts Neues ist. Es wurde vielleicht deswegen nicht allzu viel an Erklärungen darin investiert, weil der Schwerpunkt doch eher in den einzelnen zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten liegt.
Apropos: Anfangs war ich erstaunt über die doch diversen Perspektiven, aber im Verlauf waren sie positiv für das Verständnis. Dabei besteht das Risiko, dass die Präsenz einzelner Charaktere darunter leidet. Dem ist hier im Prinzip nicht so, obwohl ich der Meinung bin, dass Callum sich sehr hervorgetan hat. Aber womöglich bin ich voreingenommen, weil ich ihn sehr mochte.
Die Handlung überzeugt mit einem hohem Tempo und vielen überraschenden Wendungen. Es passiert eigentlich permanent irgendetwas. Das mag im Grunde gut sein, denn man wird fabelhaft unterhalten. Doch auf mich wirkte alles ein wenig drüber. Hier reiht sich Folter an Folter. Viele Charaktere waren überzeichnet, was sich auch im Inhalt spiegelt. Ein paar geschickt platzierte Schlüsselszenen hätten noch mehr Tiefe generiert und das Tempo an manchen Stellen reduziert. Vielleicht hätte es auch einige unlogische Absätze verhindert.
Trotz allem, der Auftakt hat mich angefixt und meine dunkle Seite angesprochen, obwohl das Ende mich zerstört hat. Ich kann es immer noch nicht fassen.
Fazit
Der Geschichte muss man definitiv eine Chance geben, denn sie entfaltet sich erst nach und nach, bis sie einen nicht mehr loslässt. Sie ist roh, brutal, intensiv und teilweise erstaunlich vielschichtig.
Daher vergebe ich knappe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.