Wie ein Neustart möglich ist, ohne das Vergangene verteufeln zu müssen
... so schön ein (Allein-)Ruhelage auch sein mag. Auf zu neuen Ufern, ohne die Vergangenheit als hinderlichen Ballast zu empfinden. Hierzu erforderlich wäre eine möglichst umfassende, möglichst faire Auseinandersetzung (auch sich selbst gegenüber) mit den prägenden Elementen dieser Zeit. Nicht so einfach, wenn eine Trennung gleich mehrfach erfolgt: vom Partner, von Teilen der Familie, von einen Wochenenddomizil das man liebgewonnen hat, trotz der Störgeräusche aus der Nachbarschaft. Wie eine solche Auseinandersetzung gelingen kann, wird hier in einem fast immer ruhig mäandrierenden Erzählstrom geschildert, unterbrochen von Ausführungen, die einen zu einem längeren nachdenklichen Verweilen einladen. Dieses Buch erlaubt ein Wiederfinden in eigenen Erfahrungen in eigenen Vorstellungen, kurz: einen differenzierten, auch emotionalen Blick auf die Innen- und Außenwelt.Man ist geneigt, der Geschichte einen zumindest authentischen Hintergrund zu unterstellen, ist doch die Autorin in diesen räumlichen Gefilden zuhause: Wien, Berlin und vermutlich auch in einem Wochenendhaus im Umland von Berlin, hier im "Landschaftsschutzgebiet Vogelsang" angesiedelt. Hier, wo noch die Nachwehen der sogenannten Wende hautnah zu spüren sind, wo sich Lebensentwürfe treffen, die sehr unterschiedlich sind, sich aber auch gegenseitig bedingen. Insofern könnte es eine ganz normale Geschichte sein, wie sie sich unter Menschen halt abspielen. Wären da nicht so ganz gewöhnliche Animositäten, nicht so ganz gewöhnliche "Darsteller", die ihre eigenen Probleme oft im Außen zu behandeln versuchen und so zu Konflikten beitragen, die tief blicken lassen: in erfahrene Verletzungen, in ganz eigene Vorstellungen, wie das Leben zu organisieren sei. Auf der einen Seite zuvorkommend, auf einer anderen behindernd und ausgrenzend.Es sind Sätze wie der folgende, der das Konfliktpotential einer jeden Begegnung zu relativieren hilft: "Müsste man nicht schon im Garten beginnen, hart an sich selbst zu arbeiten, um das Prinzip Leben und leben lassen einzuüben? Das Buch erlaubt einen tiefen Einblick in das Menschsein in bestimmten Konstellationen - und wie man diese souverän und ohne große Blessuren übersteht, sodass ein Neuanfang eigentlich jederzeit möglich ist.(30.9.2026)