Winter im Bayrischen Wald. Für Romy Fuchs eine ganz besondere Zeit. Sie fiebert schon der Waldweihnacht entgegen, dem traditionellen Adventsmarkt von Schweinhütt. Dieses Mal hat sie sogar einen eigenen Stand in dem sie ihre Keramikwaren anbieten kann. Voller Vorfreude geht sie mit Freundin Pauline in den Wald, um dort beim Schmücken der Verkaufshäuschen zu helfen. Bei der Vorbereitung des Weihnachtsmarktes kommt gemütliche Adventsstimmung auf, die nur der barsche Heimatpfleger Kippschütz stört: Weil er mal wieder den jungen Luca ungerecht behandelt, weist ihn Pauline zurecht. Bei leckerem Glühwein und einer Bratwurstsemmel erzählt sie Romy, wie miesepetrig sich der selbsternannte Heimatschützer auch an ihrem gemeinsamen Arbeitsplatz, der örtlichen Sparkasse verhält. Ein klärendes Gespräch mit dem Chef wegen Kundenbeschwerden sei längst überfällig. Dazu kommt es nicht mehr, denn am nächsten Tag findet Pauline einen Toten in der Süßwarenhütte, dessen Kopf mit Liebesapfelzuckermasse überzogen ist. Wer hat Hans Kippschütz ermordet?
Eva Cramer lässt Romy Fuchs, vormals Investigationsjournalistin jetzt Keramikkünstlerin, im zweiten Fall ermitteln. Die heimelige Waldweihnacht als Kulisse und die spannende Tätersuche haben mich bestens unterhalten. Der Winterkrimi ist auch für Quereinsteiger gut geeignet.
Da Romys Exmann Hauptkommissar Ben Jacobs trotz des kürzlich gelösten Doppelmords weiterhin im Bayrischen Wald strafversetzt bleibt, ermitteln er und seine Kollegin Kerstin Frühauf im Candy-Mord. Die bizarre Zurschaustellung des Toten beunruhigt die Ermittler. Was will der Täter mitteilen? Ben ist nicht begeistert, dass Romy über den neuen Fall berichten will und verweigert jede Kooperation. Dieses Mal muss sich die Journalistin mit dem Lokalreporter vom "Ostbayern-Boten", Anton Bauer, arrangieren. Trotz gegenseitiger Abneigung raufen sich die beiden zu einer funktionierenden Arbeitsgemeinschaft zusammen. Doch die Ermittlungen verlaufen zäh, da sich kein einleuchtendes Motiv finden lässt. Da passiert ein zweiter Mord, wieder auf dem Gelände der Waldweihnacht. Opfer Nummer zwei gehört der Prominenz an, was das Medienecho steigert und die Ermittlungen noch schwieriger macht.
Die Geschichte wird aus Romys und Bens Perspektive abwechselnd erzählt, sodass der Lesende immer auf der Höhe des Geschehens ist, wie ich es mag. Hier stimmt alles. Die Charaktere, allen voran Journalistin Romy und ihr Ex, der Kommissar. Sie verstehen sich immer noch gut. Gibt es für sie in der Provinz vielleicht eine zweite Chance? Auch die anderen Protagonisten sind stimmig. Seien es der knorrige Anton Bauer oder die sympathische Familie Fuchs, allen voran Matriarchin Hildegard, distinguiert und scharfzüngig. Der idyllische Tatort und das skurril anmutende Verbrechen komplettieren das perfekte Setting.
Das kleine Dorf Schweinhütt steht dieses Mal im Mittelpunkt. Mit Friseursalon Elfriede, der inoffiziellen Informationszentrale voller Mitermittler. Die weiblichen Mitglieder der Familie Fuchs sind stets hervorragend frisiert, da zumindest Hildegard 2-3 mal wöchentlich bei Elfriede vorbeischaut. Annemarie und Romy schätzen die Klatschbörse ebenfalls. Die dörfliche Gemeinschaft, das winterliche Ambiente, die liebenswerte Familie Fuchs und die idyllische Waldweihnacht versprühen Charme und schaffen eine Wohlfühlatmosphäre. Umso störender wirken die bizarren Morde, die diese Idylle trüben.
Es hat mir großen Spaß gemacht, in den Fuchsbau, äh in die Villa Seraphina zurückzukehren. Da geht es mir wie Ben. Das Mitraten hat mir gefallen, obwohl die Autorin mich lang an der Nase herumführen konnte. Schließlich wird der Fall zufriedenstellend aufgeklärt. Dank eines gelungenen Kniffs von Eva Cramer entwickelt sich trotzdem alles ganz nach meinen Wünschen. Ich warte gespannt auf Neuigkeiten aus Schweinhütt. Für Freunde von Cosy Crimes, wenig blutig und trotzdem spannend, mit sympathischen Ermittlern und viel Atmosphäre.