Saschko Gawriloffs Karriere in Berlin begann 1945 unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg als sechzehnjähriger Solist, 1947 trat er die Stelle als Erster Konzertmeister der Dresdner Philharmonie an, wechselte im Folgejahr zu den Berliner Philharmonikern und 1949 zum Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Er spielte in Spitzenorchestern in Frankfurt am Main, Hamburg und Köln, war als Solist und Kammermusiker gefragt. Sein musikalischer Weg, auf dem er zahlreiche bedeutende Musikstücke zum ersten Mal auf die Bühne brachte, führte ihn durch eine Zeit politischer und sozialer Umbrüche. Oft war er dabei, wenn Musik zur Öffnung vormals geschlossener Gesellschaften beitrug, in der DDR und der Bundesrepublik ebenso wie in Japan und Südkorea.
In diesem Porträt verbindet Dietrich Pätzold einfühlsam und materialreich, zuweilen auch anekdotisch, die vielen Facetten eines herausragenden Musikers. Dessen Lebensgeschichte umspannt dabei eine Zeit gesellschaftlicher und kultureller Umbrüche und macht diese Biografie so doppelt lesenswert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Immer wieder im Aufbruch S. 7
1929. Geboren als Kind zweier Welten S. 11
Die verbindende Kraft der Donau S. 11
Namen, Religionen und erste Geigentöne S. 15
1931 1941. Lehrjahre in BulgarienS. 21
Kleinstadtidylle und strenge Ausbildung S. 21
Heimat Lom: Atmosphäre eines Aufschwungs S. 25
Balkan-Exkurs 1: Bulgariens »Wiedergeburt« S. 33
Kein Lampenfieber: Debüts in Lom und Sofia S. 43
1941 1945. Neue Heimat: Deutschland im Krieg S. 56
Umzug von Lom nach Leipzig S. 56
»Soldatisch-musische Erziehung« S. 63
Der erste Musikwettbewerb S. 67
Ausgebombt: Der Krieg kommt nach Hause S. 69
Balkan-Exkurs 2: Bulgaren im Krieg S. 74
Ende des »Dritten Reiches«: Üben heißt hoffen S. 75
1945 1953. Alles offen: Ostdeutschland und Westberlin S. 83
Schmale Pfade zwischen Trümmerbergen S. 83
Studieren: Havemann, Oistrach, Kovacs S. 89
Schatten der Vergangenheit: Havemann S. 99
Konzertmeister: Dresden, Berlin und England S. 110
Beim Berliner Rundfunk zum DDR-Star S. 125
Das musste sein: Abschied von Ostdeutschland S. 133
Intermezzo: Jetzt spricht Ehefrau Renate S. 143
1953 1966. Kühne Sprünge oder: Im Westen viel Neues S. 153
Von vorn beginnen in Frankfurt am Main S. 153
Soloträume: Kein Pass, wenig Geld, viel Risiko S. 159
Notlandung und Neustart in Nürnberg S. 166
Durchbruch in Genua: Paganini-Preis 1959 S. 168
Konzertmeister beim NDR 1961 1966 S. 177
1966 1996. Wege zum Weltruhm S. 187
Detmold, Essen, Köln, Berlin S. 188
Köln: »Musikmafia« S. 192
Exkurs: »Neue Musik« mit Wildkaninchen S. 195
Kammermusik S. 203
Der Komponistenfreund: György Ligeti S. 209
»Music from another planet«: Ligetis Konzert S. 217
Meisterschaft verpflichtet: Tokio, Korea, überall S. 227
Der Klang eines Lebens: Kreise schließen sich S. 241
Der Virtuose als Lehrer S. 244
Der Geiger und seine Violinen S. 250
»Der Altmeister heizte kräftig ein« S. 266
Anmerkungen S. 271
Literatur S. 277
Abbildungsnachweise S. 283
Über den Autor S. 285