Ich mochte Katha und ihre Geschichte sehr. Locker erzählt, mit Figuren, die einem ans Herz wachsen und erstaunlich nach am echten Leben.
"Gewöhnungsbedürftig" von Daniela Wilmer mochte ich sehr. Es erzählt von Katharina. Sie ist 37, lebt in Berlin, hat ihr Leben irgendwie im Griff - und gleichzeitig auch nicht. Nach einer Trennung und einem ziemlich blöden Treppensturz landet sie mit gebrochenem Handgelenk wieder bei ihrer Mutter in Bad Godesberg. Dort wird sie mit alten Gewohnheiten, familiären Themen und vor allem mit sich selbst konfrontiert - Dingen, denen sie gerne aus dem Weg geht. Ich mochte Katha als Protagonistin sehr gerne. Sie macht es sich selbst nicht leicht. Sie denkt viel darüber nach, was andere von ihr erwarten, zweifelt an sich selbst und ihren Entscheidungen und versucht häufig, es allen recht zu machen. Und genau das macht sie für mich so sympathisch. Denn Selbstzweifel kennen wir doch alle. Mal mehr, mal weniger. Ich konnte mich deshalb an einigen Stellen sehr gut in Katha hineinversetzen.Aber auch die anderen Figuren waren mir alle sehr sympathisch und authentisch. Besonders gefallen haben mir die Beziehungen zwischen Katha und ihrer Mutter sowie zwischen Katha und Bruno. Gerade in der Beziehung zu ihrer Mutter spielen längst überwunden geglaubte Rollen und alte Muster eine Rolle. Alles wirkte sehr nahbar und echt.Daniela Wilmer erzählt ihre Geschichte angenehm locker und mit einer guten Portion Humor. Das hat mir sehr gefallen, denn obwohl es um durchaus ernstere Themen geht, wird die Geschichte nie schwer oder bedrückend. Es gibt viele Situationen, bei denen ich schmunzeln musste, aber auch einige, die zum Nachdenken angeregt haben. Ich mochte besonders, dass die Geschichte nicht versucht, Katha irgendwelche einfachen Antworten zu geben, sondern sie ihren eigenen Weg finden lässt.Und auch das Ende hat mir richtig gut gefallen. Es hat für mich sehr gut gepasst und die Geschichte auf eine stimmige Art abgeschlossen. Mehr verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht ¿"Gewöhnungsbedürftig" ist ein humorvoller, ehrlicher und gleichzeitig nachdenklicher Roman über Selbstzweifel, das ganz normale Lebenschaos und ganz viel Mut. Ich habe Katha sehr gerne begleitet und hatte eine richtig gute Zeit. Eine Geschichte mit viel Herz, die für mich vor allem eines war: zutiefst menschlich.