Tolles Setting für einen eher gemächlichen Kriminalroman.
Eine Beerdigung, eine Winchester aus dem 19. Jahrhundert und ein angeblicher Jagdunfall: Im dritten Fall für Baron Philippe wird in den Wäldern rund um Schloss Chambord scharf geschossen.Claude de Murot, erfahrener Jäger und Vorsitzender einer traditionsreichen Jagdgesellschaft, kommt während einer Hetzjagd ums Leben. Während die Polizei von einem Unfall ausgeht, ist Tante Aude überzeugt: Claude wurde ermordet. Also schickt sie ihren Neffen Philippe auf Spurensuche. Schon bald führen ihn ein ungewöhnliches Projektil, ein rätselhafter Hund und ein lange verborgenes Familiengeheimnis tief in die Vergangenheit."Verrat an der Loire" ist kein düsterer Thriller, sondern ein klassischer Wohlfühlkrimi mit ganz viel französischem Flair. Catherine Duval schreibt leicht, unterhaltsam und dialogreich. Besonders gut funktionieren Philippe und Kommissarin Charlotte Maigret, deren ständige Wortgefechte dem Roman Humor verleihen. Tante Aude stiehlt mit ihrer direkten Art ohnehin fast jede Szene. Philippe selbst bleibt mit seiner Eitelkeit, seinem Hang zum Luxus und seiner ausgeprägten Hundeangst herrlich unperfekt.Der Schauplatz ist eine weitere Stärke. Chambord, die Wälder, Schlösser, Weine und kulinarischen Ausschweifungen sind so anschaulich beschrieben, dass man die Loire kurzerhand selber besuchen will. Gleichzeitig liegt darin eine kleine Schwäche: Die vielen Ausführungen über Jagd, historische Waffen, Leonardo da Vinci und französische Lebensart bremsen die Ermittlungen immer wieder aus. Gerade im Mittelteil dreht sich der Fall etwas im Kreis.Auch bei der Logik muss man großzügig sein. Die Polizei arbeitet zunächst erstaunlich oberflächlich, Philippe überschreitet mühelos Grenzen und der Täterplan hängt von einigen Zufällen ab. Die Auflösung ist grundsätzlich nachvollziehbar, wirkt in ihrer gesamten Konstruktion aber ziemlich abenteuerlich. Dafür zieht das Tempo im Finale deutlich an und die verschiedenen Spuren ergeben am Ende ein stimmiges Gesamtbild.