Eine schöne Liebesgeschichte, die aber leider hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Einige Dinge haben mich gestört.
Inhalt:Als sich Verity und Johnny kennenlernen stellen sie fest, dass sie beide dasselbe Problem haben. Beide sind glückliche Singles, aber sie sind es leid, dass Freunde und Verwandte sie ständig darauf ansprechen und versuchen ihnen bei der Partnersuche zu helfen. Die beiden schließen daher einen Pakt: Sie werden sich als Paar ausgeben und sich gegenseitig zu Partys, Hochzeiten und anderen Familienfeiern begleiten. Allerdings wird es schon bald kompliziert, denn es sind echte Gefühle im Spiel..."Das Problem ist doch folgendes: Aus der anfangs noch kleinen Lüge, man wäre in einer festen Beziehung entsteht innerhalb kürzester Zeit ein regelrechtes Netz aus Unwahrheiten, für das man eine Übersichtstafel bräuchte, um den Überblick zu behalten." (S. 56)Meine Meinung:Das lustige und ungewöhnliche Kennenlernen von Verity und Johnny zu Beginn des Buches hat mir gefallen und ich habe schnell in die Geschichte hineingefunden. Verity und Johnny sind zwei sympathische Protagonisten und ihr "Pakt" versprach unterhaltsame Entwicklungen. Auch die Nebenfiguren - v.a. Johnnys Vater und Veritys Schwestern - mochte ich gern.In dem Buch gibt es herzliche und lustige Momente. So fand ich es zum Beispiel sehr unterhaltsam wie Verity - ehe dann schließlich Johnny so tut als sei er mit ihr zusammen - den komplett erfundenen Ozeanografen Peter Hardy als ihren Freund ausgibt. Sie ist was diese Lügengeschichte angeht sehr fantasievoll und detailverliebt. Gleichzeitig bringt es sie aber auch an ihre Grenzen, denn es ist gar nicht so leicht bei einem solchen Lügenkonstrukt noch den Überblick zu behalten. Ganz besonders rührend fand ich die Szene in der sich herausstellt, dass Johnny Verity zuliebe"Stolz und Vorurteil"gelesen hat, weil er weiß wieviel ihr das bedeutet.Es wird gut beschrieben wie Verity und Johnny allmählich Freunde werden. Außerdem ist man gespannt mehr darüber zu erfahren welche unglückliche Liebe Johnny zusetzt und einer neuen Beziehung entgegensteht. Der Buchladen in dem Verity arbeitet und die Orte an denen die von Verity und Johnny besuchten Partys und Feiern stattfinden geben sehr gute Handlungsschauplätze ab, die für Abwechslung sorgen.Da Verity ein großer Fan von "Stolz und Vorurteil"ist gibt es in diesem Buch gelegentlich Anspielungen darauf und das hat mir gefallen, weil ich"Stolz und Vorurteil"mag. Verity hat auch eine liebeswerte Marotte, die damit zusammenhängt: Immer wenn sie neue Leute kennenlernt, ordnet sie ihnen gedanklich eine Figur aus "Stolz und Vorurteil"zu und wenn sie eine Entscheidung treffen muss fragt sie sich manchmal im Stillen was Elizabeth Bennet an ihrer Stelle tun würde. Außerdem steht am Anfangs jedes Kapitels ein kurzes Zitat aus"Stolz und Vorurteil".Wie erwartet hat das Buch letztlich ein Happy End.Warum gebe ich diesem Buch trotzdem bloß 3 Bewertungssterne?Das liegt zum einen an den Verwicklungen und dem Gefühlschaos rund um das Trio Johnny, Harry und Marissa. Ich fand das Verhalten von ihnen untereinander äußerst problematisch, unsensibel und nicht nachvollziehbar. Das Ganze war ziemlich bedrückend und etwas merkwürdig. Wer es genauer wissen will:Johnny liebt Marissa (mit kleiner Unterbrechung) seit rund 15 Jahren und die beiden waren in der Vergangenheit auch mal ein Paar, aber dann haben sie sich getrennt. Marissa ist anschließend mit Harry zusammenkommen, der Johnnys bester Freund ist. Marissa und Harry haben sogar geheiratet, aber Marissa und Johnny haben festgestellt, dass sie sich immer noch lieben. Marissa liebt aber sowohl Johnny als auch Harry und bleibt deshalb mit Harry verheiratet, während sie Johnny als enge Bezugsperson "behält" und ihn emotional an sich bindet. Marissa und Johnny telefonieren und texten fast täglich (!) und das mehrmals und sehr intensiv. Sobald Marissa sich meldet lässt Johnny alles stehen und liegen um mit ihr zu sprechen. Harry weiß von den Gefühlen zwischen Johnny und Marissa, aber er findet sich damit ab, weil er ein schlechtes Gewissen hat, dass seine Ehe mit Marissa seinen besten Freund Johnny so traurig gemacht hat. Johnny wird von Marissa und Harry auf sämtliche Partys eingeladen und schmachtet Marissa dann regelmäßig aus der Ferne an. Obwohl das für alle Beteiligten schwierig ist und ihrem Glück entgegensteht besteht diese problematische Dreieckskonstellation jahrelang ohne dass mal einer von ihnen die Konfrontation gesucht bzw. ein klärendes Gespräch gefordert hat. Das konnte ich wirklich nicht verstehen. Ich hätte erwartet, dass Harry mal in Wurt gerät und ein Ultimatum stellt oder dass Johnny nach Jahren (!) der unerfüllten Liebe früher damit abschließen hätte können.Vor allem aber dauert es viel zu lang bis die Liebesgeschichte zwischen Verity und Johnny Fahrt aufnimmt. Es vergehen mehr als 2/3 des Buches ehe sich abzeichnet, dass da tatsächlich mehr zwischen den beiden sein könnte. Über weite Strecken sieht alles danach aus, dass die beiden nie mehr als Freunde sein werden, weil es an Szenen fehlt die Herzklopfen zwischen den beiden auslösen und den Leser spüren lassen, dass da "mehr" ist. Als Verity und Johnny dann ihren Gefühlen nachgeben geschieht das unter etwas merkwürdigen Begleitumständen und kommt etwas plötzlich:Die beiden streiten sich und schreien sich ihren Hass entgegen um sich in der nächsten Sekunde in den Armen zu liegen und die Nacht miteinander zu verbringen. Das wiederholt sich am nächsten Tag, aber ein richtiges Gespräch über das was zwischen ihnen vorgefallen ist gibt es zunächst nicht. Dann gibt es mehr als eine Woche gar keinen Kontakt mehr zwischen ihnen ehe Verity beschließt Johnny zu besuchen. Die beiden sprechen miteinander und werden ein Paar. Das ging mir aber in Anbetracht des ganzen Dramas zuvor und mit Blick auf Johnnys jahrelange Anhänglichkeit an Marissa zu schnell um mich vollständig überzeugen zu können.Fazit:Es handelt sich um eine schöne Liebesgeschichte, die aber ihr Potenzial nicht so recht entfaltet. Die guten Stellen waren nicht genug um mich darüber hinwegsehen zu lassen, dass mich einige entscheidende Dinge gestört haben.