Theo in Golden, Roman von Allen Levi, EBook, Piper -Verlag
Das Leben ist zu kurz für Azaleen in schwarzen Vasen
An einem herrlichen Frühlingstag erscheint Theo in Golden, einer Kleinstadt im amerikanischen Süden, er ist ein Fremder, keiner kennt seinen Namen oder weiß woher er kommt. In einem örtlichen Café, sind Porträts der Besucher, von einem lokalen Künstler ausgestellt. ER kauft sie und gibt sie nach und nach an die rechtmäßigen Besitzer zurück, dazu gibt es zu jedem Bild eine ans Herz gehende Geschichte oder ein Geheimnis. Langsam beginnt sich die Bevölkerung und die Stimmung in Golden zu verändern.
Das Buch besteht aus 62 Kapiteln, in auktorialem Erzählstil, doch ist die Perspektive sehr auf die Person von Theo fixiert. In diesem warmherzigen Roman stecken viele tiefgründige Gedanken über das Leben, die Freundlichkeit, Trauer, Kunst und die Kraft der Freundschaft. Langsam lernt der Leser, die Menschen in Golden kennen. Ein Buch in melancholischer Stimmung, die poetische Sprache hat mir gut gefallen. Levi schreibt sehr bildhaft, vor allem die Kunst findet hier angemessene Worte, die Figuren, das Setting, Bilder, Skulpturen, Pflanzen dies alles konnte ich mir gut vorstellen. Der Leser ahnt, dass sich um den Protagonisten ein Geheimnis rankt, man wartet geradezu auf ein Geheimnis. Es gibt keine rasanten Wendungen oder künstliche Dramatik, ist jedoch voller Alltagsphilosophie. Das langsame Erzähltempo lässt den Leser Zeit, über die Botschaften nachzudenken. Das unvorhersehbare Ende hätte ich mir anders gewünscht.
Durch seine von Herzen kommende Freundlichkeit, verändert Theo das Leben in der Stadt. Vorher herrschte Anonymität, jeder ging seiner Wege, doch Theo begann wirklich zuzuhören, er zwingt die Menschen dazu innezuhalten und sich sogar dadurch gesehen und wertgeschätzt zu fühlen. Mit jedem übergebenen Porträt öffnet er dem Leser einen persönlichen Schmerz, den er zu lindern versucht.
Die Figuren sind manchmal skurril, aber auch liebenswert, talentiert und vor allem interessant. Theos Großzügigkeit weckt in den Bewohnern das Bedürfnis, eine bessere Version ihrer selbst zu sein. Menschen die sich kaum kannten werden zu Freunden, alte Wunden heilten und die Goldener wachsen zu einer Einheit zusammen. Einige Figuren mochte ich besonders gerne z.B. Simone den begabten Cellisten, Lamisha Whitaker und ihren Vater Kendrick, den Künstler Asher Glissen und seine Familie und die obdachlose Ellen. Und viele mehr. Sie alle haben sich durch Theos Bemühungen, auf die eine oder andere Weise zu ihrem Vorteil verändert.
Theo gibt den Menschen in Golden das Gefühl, in ihrer Einzigartigkeit, ihrer Verbitterung und in ihrem Schmerz wahrgenommen und gesehen zu werden, er schafft menschliche Verbundenheit. In jedem Ort sollte es einen Theo geben.
Mir hat das Buch gefallen, schöne Gedanken haben mir gutgetan. Nie hatte ich das Gefühl, dass es kitschig wirkt. Deshalb von mir 5 Sterne.