Lydia fährt mit ihrem Freund Hendrick an die dänische Küste. Angedacht ist ein Urlaub im Haus von Hendricks Mutter Elna. Doch dann erfährt Hendrick unerwartet, dass er durch eine Prüfung gefallen ist. Fortan ist er mit Lernen beschäftigt und Lydia sieht sich der schroffen Elna ausgesetzt. Nach und nach erkennt Lydia, dass Elnas spröde Art nur ihr raues Äußeres ist, sich dahinter jedoch eine sanfte Seele verbirgt.
Gleich auf den ersten Blick fällt die reduzierte Sprache des kurzen Romans auf. Verknappte Sätze, wenig Ausschmückung, karge Schilderungen verleihen der Geschichte einen besonderen Sound, der bestens mit Charakteren und Setting korrespondiert.
Die Auster zieht sich als Motiv durch die Story, zum einen in ihrer biologischen Beschaffenheit mit harter Schale und Muskel, dann als Vertreterin einer invasiven Art und nicht zuletzt als Symbol der unstillbaren Gier des Menschen, da sie lebend verspeist wird. Da wären wir bei Shakespeare, wo es heißt: the worlds mine oyster. Which I with sword will open.
Von Beginn an ist ein unterschwelliger Unwillen bei Lydia gegenüber Hendrick und der körperlichen Nähe mit ihm zu spüren. Geschickt steigert die Autorin dieses vage Unbehagen bis Hendrick schließlich zur unangenehmen männlichen Präsenz mutiert. Der Gegenentwurf dazu ist seine Mutter Elna mit einem anfangs so schroffen und verschlossenen Wesen, die sich zaghaft öffnet und pure Sanftheit zeigt. Ich gestehe ehrlich, dass mir die entstehende Intimität zwischen Lydia und Elna widersprüchliche Gefühle beschert hat.
Eingewoben ist auch ein Familiengeheimnis, das sich aber für mich beim Lesen eher wie ein Fremdkörper kantig in die Geschichte eingefügt hat.
Für mich ein intensives Leseerlebnis, das mich mit unklarer Gefühlslage zurücklässt.