Dieses Buch hat mich bis ins Mark getroffen. Ich hatte eine emotionale, aufwühlende und schockierende Geschichte erwartet, doch was ich letztlich gelesen habe, hat meine Vorstellungen um einiges übertroffen. Die Autorin nimmt uns in ihrem autobiografischem Roman mit in ihre Kindheit und ihr Aufwachsen in einer irakischen Familie, das vor allem durch ihre religiöse Mutter sowie durch Missbrauch und Manipulation bestimmt wird. Das Buch ist in meinen Augen eine sehr mutige Erzählung, die tief in die Seele der Autorin blicken lässt und den Leser mit schonungsloser Wucht entgegen prallt. Rey Mani erzählt direkt, ehrlich und unbeschönigt, ihre Worte treffen einen völlig unvorbereitet und lassen Schock und Fassungslosigkeit zurück. Nachdem der Leser auch immer wieder direkt angesprochen wird, erhöht sich die Sogwirkung des ganzen noch und doch ist es kein Buch, dass man eben schnell weg liest. Es ist harte Kost und hat in meinen Augen Zeit gebraucht, um zu wirken. Ich konnte nicht ein Kapitel nach dem anderen lesen, da ich erst einmal verdauen, verarbeiten und vor allem durchatmen musste. Als Außenstehender fällt es einem oft schnell leicht zu urteilen, doch gerade solche Bücher können dafür sorgen, dass man in Zukunft vielleicht öfter hinterfragt, bevor man mit dem Finger auf jemanden zeigt und dass man seine Hilfe anbietet, auch dann wenn keiner danach gefragt hat. Genau deshalb finde ich es unglaublich mutig, dass die Autorin uns einen derartig unbeschönigten Einblick in ihre Kindheit und ihr Aufwachsen gegeben hat. Als jemand, der sich solche familiären Strukturen nicht im geringsten vorstellen kann, wird man auch nach diesem Buch vermutlich nie gänzlich nachvollziehen können, was Rey Mani durchgemacht hat und wie sich ihr kontrolliertes Leben auf sie ausgewirkt hat. Und so knallhart und schmerzhaft dieses Buch auch war, ist es für mich unheimlich wichtig und Augen öffnend gewesen!