Dieser 6. Fall für den brillanten Detektiv Kosuke Kindaichi führt uns in die Trümmer des Nachkriegs-Tokio von 1947. Vom Glanz und Prunk des alten japanischen Adels ist so wenig übrig geblieben wie von der Pracht der zerstörten Paläste. So muss sich auch die Familie Tsubaki die verbliebenen Räumlichkeiten mit Verwandten, die einander allesamt nicht grün sind, teilen. So manch einer legt nach wie vor aristokratisches Gehabe an den Tag, obwohl der Adel vor kurzem per Dekret abgeschafft worden ist.
Man betrauert das Familienoberhaupt, den berühmten Flötenkomponisten Vicomte Tsubaki, der sich, weil man ihm des Überfalls auf einen Juwelier mit zahlreichen Toten verdächtigt, das Leben genommen haben soll. Gleichzeitig beteuern einige Personen, ihn lebendig gesehen zu haben und auf seiner berühmten goldenen Flöte spielen gehört zu haben.
Um herauszufinden, ob Vicomte Tsubaki noch lebt oder nicht, soll Kosuke Kindaichi an einer Séance teilnehmen. Kaum hat sich die Familie versammelt, um den Geist des Verstorbenen zu beschwören, ertönt das zuletzt komponiert Musikstück, ein geheimnisvolles Zeichen erscheint und ein Toter bleibt zurück.
Zunächst steht auch der Detektiv vor einem Rätsel und muss, um das aktuelle Verbrechen aufzuklären, tief in die Vergangenheit der Familie Tsubaki eintauchen.
Noch bevor er die Wahrheit herausfinden kann, erklingt mehrmals die geheimnisvolle Melodie, weitere Morde sind die Folge.
Meine Meinung:
Seishi Yokomizo (1902-1991) hat hier wieder einen komplexen Kriminalfall, der an Agatha Christie erinnert, geschaffen. Zudem erhalten wir Einblick in die komplizierte Familiengeschichte japanischer Adeliger, die zwar durch die Aufhebung des Adels weitgehenden Veränderungen im öffentlichen Leben unterworfen sind, aber innerhalb der Familie, des Clans, ihre hochmütigen Attitüden weiter pflegen.
Neben dem spannenden Krimi, erfahren wir einiges über Land und Leute, deren Lebensweise sich von unserer europäischen doch sehr unterscheidet.
Kosuke Kindaichi ist ein interessanter Ermittler, der mit seinem etwas heruntergekommenen Auftreten ein wenig an Inspektor Columbo erinnert. Doch Kindaichis Verstand ist messerscharf und seine Beobachtungsgabe erfasst zahlreiche Details, die so manchem verborgen bleiben. Ich hatte recht bald einen Verdacht, wer hinter dem allem steckt. Diese Hypothese hat sich dann auch bestätigt.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem 6. Fall für Kosuke Kindaichi 4 Sterne.