Claire sitzt jeden Nachmittag in ihrer Pariser Wohnung und wartet auf einen Mann, in den sie verliebt ist. Für ihn schreibt sie geheime Texte ab. Dabei weiß sie genau, dass sie die Wohnung sofort verlassen soll, wenn er eines Tages nicht mehr kommt. Doch als dieser Tag eintritt, bleibt sie sitzen. Statt zu gehen, stellt sie sich vor, wie ein gemeinsames Leben mit ihm aussehen könnte.
Diese Idee fand ich sehr interessant. Obwohl Paris besetzt ist und überall Gefahr droht, hält Claire an ihren Wünschen fest. Sie denkt an Reisen, Kinder und ein gemeinsames Zuhause. Dabei weiß sie nicht, ob sie mit diesem Mann jemals eine Zukunft haben wird. Ihre Gedanken aufzuschreiben, ist für sie eine Möglichkeit, sich wenigstens in ihrer Vorstellung ein anderes Leben zu schaffen.
Der französische Widerstand bildet den Hintergrund dieser Liebesgeschichte. In Paris kann Claire sich nie sicher sein, was als Nächstes passieren wird. Claire versucht, sich an ihren Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben festzuhalten. Das konnte ich gut nachvollziehen.
An die Erzählweise musste ich mich an einigen Stellen erst gewöhnen. Nicht alle Gedanken haben mich gleichermaßen erreicht, und manches hätte für mich etwas ausführlicher sein dürfen. Die Idee, dass Claire sich ein Leben ausmalt, das es vielleicht nie geben wird, fand ich ungewöhnlich. Ihre Gedanken haben mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt.
Beim Lesen habe ich mich gefragt, wie es wohl wäre, sich so sehr etwas zu wünschen und doch nicht zu wissen, ob es jemals wahr wird. Nicht alles hat mich an diesem 96-seitigen Büchlein überzeugt, aber insgesamt hat es mir gut gefallen. 4 Sterne.