300 Jahre nach den ersten Weltkriegen herrscht auf der Welt Frieden. Denn die Regierung hat ein System entwickelt, mit dem die Seelen der Menschen auf ihre vergangenen Leben überprüft werden. Wer in einem früheren Leben als "schlechte" Seele eingestuft wurde, muss mit Gefängnis rechnen, während besonders gute Seelen von ihren vergangenen Leben profitieren und teilweise sogar Vermögen, gesellschaftlichen Status oder bestimmte Positionen erben.Für die 18-jährige Sivon nimmt dieses System allerdings eine völlig unerwartete Wendung: Sie ist eine neue Seele. Jemand, der in keinem früheren Leben existiert hat. Damit wird sie praktisch über Nacht zu einer Berühmtheit und findet sich kurze Zeit später sogar im engsten Umfeld des amtierenden Präsidenten wieder. Eigentlich könnte das ihr großer Durchbruch sein, doch schon bald merkt Sivon, dass hinter den Kulissen einiges nicht so läuft, wie es sollte. Und ausgerechnet ihr mürrischer Bodyguard Donovan, der sie zunächst alles andere als leiden kann, scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Je mehr Sivon herausfindet, desto gefährlicher wird ihre Situation und gemeinsam mit Donovan beginnt sie, einem Spiel auf die Spur zu kommen, das deutlich größer und perfider ist, als sie zunächst gedacht hätte."Soulmatch" von Rebecca Danzenbaker hatte mich schon mit seiner Grundidee direkt. Das Konzept rund um die Seelen früherer Leben, die darüber bestimmte Lebenswege, gesellschaftliche Stellung und sogar Bestrafungen bestimmen, fand ich unglaublich spannend und außergewöhnlich. Besonders gut gefallen hat mir Sivon. Sie ist eine Protagonistin, die ich wirklich sehr gerne begleitet habe. Natürlich ist sie zunächst ziemlich verunsichert: Sie weiß selbst nicht, was es bedeutet, eine neue Seele zu sein, und plötzlich liegt eine enorme Aufmerksamkeit auf ihr. Berühmtheit, Erwartungen, politische Machtspiele und gleichzeitig die ständige Frage, ob sie überhaupt in dieses vorgegebene System passt, sind definitiv nicht leicht zu bewältigen. Besonders interessant fand ich dabei, dass Sivon eigentlich gehofft hatte, durch das Seelen-System eine Art vorgezeichneten Weg für ihr Leben zu bekommen und plötzlich genau das Gegenteil passiert.Trotzdem lässt sie sich davon nicht unterkriegen. Sie macht das Beste aus ihrer Situation, ist klug, beobachtet genau und erkennt relativ früh, dass hinter manchen Dingen mehr steckt. Sie hinterfragt, lässt sich nicht einfach herumschubsen und steht für das ein, was sie für richtig hält. Donovan war für mich ebenfalls ein Highlight. Anfangs ist er ziemlich mürrisch und Sivon gegenüber alles andere als freundlich, aber gerade dadurch war es schön, nach und nach mehr von ihm kennenzulernen. Er ist ein sehr tiefgründiger Charakter, dessen Handlungen und Gefühle für mich meistens gut nachvollziehbar waren. Gleichzeitig ist er unglaublich loyal, ehrlich und beschützerisch und man merkt schnell, dass er trotz seiner Art immer versucht, auf der richtigen Seite zu stehen.Positiv überrascht, haben mich tatsächlich die Nebencharaktere. Sie bekommen erfreulich viel Raum und sind nicht einfach nur dazu da, die Handlung irgendwie voranzutreiben. Gerade Vivi und Corah, Sivons beste Freundinnen und Zwillinge, habe ich sehr ins Herz geschlossen. Aber auch Sivons Mutter, Donovons Familie, Bardou und einige weitere Charaktere tragen unglaublich viel zur Geschichte bei. Viele von ihnen sind richtig schön ausgearbeitet und wirken dadurch wie echte Bestandteile von Sivons Leben und nicht wie bloße Nebenfiguren. Auch die Liebesgeschichte zwischen Sivon und Donovan hat für mich richtig gut funktioniert. Sie entwickelt sich angenehm langsam und vor allem nachvollziehbar. Erst muss überhaupt Vertrauen entstehen, bevor sich daraus nach und nach etwas anderes entwickelt. Ich mochte besonders diese eher leise, unterschwellige Entwicklung, bei der die Gefühle immer stärker werden, ohne dass die Lovestory plötzlich die komplette Handlung übernimmt. Dadurch hat sie sich sehr harmonisch in die Geschichte eingefügt.Die Handlung selbst fand ich insgesamt wirklich spannend und gut durchdacht. Der Einstieg im SEIK war für meinen Geschmack zwar fast ein bisschen zu lang, hat mich insgesamt aber nicht weiter gestört. Danach nimmt die Geschichte immer mehr Fahrt auf und es gibt eigentlich ständig Dinge, bei denen man sich fragt, was wirklich dahintersteckt. Immer wieder werden kleine Hinweise gestreut oder Momente eingebaut, bei denen man genauer hinschauen und sich fragen muss, wem man eigentlich vertrauen kann. Genau dieses Miträtseln hat mir besonders viel Spaß gemacht. Ich hatte bei einigen Personen schon relativ früh ein ungutes Gefühl und tatsächlich haben sich manche meiner Vermutungen später bestätigt. Gleichzeitig gab es aber auch Zusammenhänge, mit denen ich nicht gerechnet hatte.Gerade gegen Ende wird es dann allerdings ziemlich viel. Es kommen immer mehr Verbindungen, Enthüllungen und Zusammenhänge zusammen, sodass man wirklich konzentriert lesen muss, um gemeinsam mit Sivon zu verstehen, was eigentlich passiert und wie alles miteinander zusammenhängt. Teilweise war das schon ziemlich komplex. Gleichzeitig fand ich genau das irgendwie passend, weil Sivon selbst ja ebenfalls mitten in diesem ganzen Chaos steckt und nicht einfach von außen alle Antworten präsentiert bekommt. Man erlebt dadurch ein Stück weit ihre eigene Verwirrung und ihren Versuch, alles zu entwirren, mit.Was mir außerdem gefallen hat, ist, dass die Handlung für mich bis zum Schluss stringent blieb. Trotz der vielen Informationen und Wendungen hatte ich nie das Gefühl, dass die Geschichte einfach wahllos Dinge einwirft, nur um noch einen Twist einzubauen. Vieles fügt sich am Ende zusammen und ergibt rückblickend Sinn.Der Schreibstil hat mir insgesamt ebenfalls gut gefallen. Er liest sich flüssig und angenehm, ohne unnötig kompliziert zu werden. Besonders mochte ich, dass die Geschichte trotz der politischen und teilweise komplexen Handlung nicht übermäßig schwer wirkt. Auch die Atmosphäre hat für mich gut funktioniert: Einerseits gibt es diese scheinbar perfekte, friedliche Gesellschaft, andererseits schwingt gerade durch die politischen Intrigen und Sivons zunehmende Zweifel immer eine gewisse unterschwellige Bedrohung mit. Dieses Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, zieht sich schön durch die Geschichte.Fazit Insgesamt ist "Soulmatch" von Rebecca Danzenbaker für mich eine spannende Mischung aus Dystopie, politischen Intrigen, Geheimnissen und einer schön langsam entstehenden Liebesgeschichte, mit einer Grundidee, die definitiv mal etwas anderes ist. Absolut empfehlenswert!