Am Ende des Gartens von Camilla Bruce ist genau die Art von Buch, nach der ich im Herbst gerne greife: ein altes, düsteres Haus, ein verwilderter Garten, Geister, Familiengeheimnisse und eine ordentliche Portion schwarzen Humor. Schon die Grundidee hat etwas wunderbar Makaberes und gleichzeitig Märchenhaftes.
Im Mittelpunkt stehen Clara und ihre beiden Nichten Lily und Violet. Clara ist allerdings alles andere als die liebevolle Tante, bei der man seine Kinder guten Gewissens unterbringen würde... schließlich ist sie eine Mörderin. Als die beiden Mädchen bei ihr einziehen, gerät ihr bisheriges Leben gehörig durcheinander. Vor allem, weil Violet eine ganz besondere Gabe besitzt. Und mehr möchte ich über die Handlung eigentlich gar nicht erzählen. Gerade bei diesem Buch macht es viel mehr Spaß, nach und nach selbst herauszufinden, was in diesem Haus und seinem Garten alles verborgen liegt.
Besonders begeistert hat mich die Atmosphäre des Buches. Es hat etwas herrlich Unheimliches, ohne dabei permanent auf Schockmomente setzen zu müssen. Vielmehr entsteht der Grusel ganz langsam durch das Haus, den Garten, die Geister und dieses unterschwellige Gefühl, dass die Vergangenheit hier alles andere als vergangen ist. Und genau deshalb ist Am Ende des Gartens für mich die perfekte Grusellektüre für dunkle Herbsttage. Wenn es draußen früher dunkel wird, der Regen gegen die Fenster prasselt und man sich mit einer Decke aufs Sofa verkriecht, passt diese Geschichte einfach wunderbar. Sie hat diese ganz besondere Gothic-Stimmung, die gleichzeitig gemütlich und unbehaglich sein kann.
Dabei ist das Buch aber nicht einfach nur gruselig. Was ich besonders mochte, ist der makabere und teilweise herrlich schwarze Humor. Clara ist als Figur schon eine Klasse für sich. Sie ist definitiv keine klassische sympathische Protagonistin und gerade deshalb fand ich sie so unterhaltsam. Ihre moralischen Vorstellungen sind, sagen wir einmal, ziemlich flexibel. Gleichzeitig stehen ihr mit Lily und Violet zwei Figuren gegenüber, die man ebenfalls nicht unterschätzen sollte. Besonders schön fand ich, dass die Mädchen nicht einfach nur hilflose Kinder sind, die in einem unheimlichen Haus landen. Sie bringen ihre ganz eigenen Besonderheiten mit und sorgen dafür, dass sich die Dynamik innerhalb dieser ungewöhnlichen Familie immer wieder verändert.
Überhaupt fand ich die Figurenkonstellation unglaublich gelungen. Hier treffen keine klassischen Helden und Bösewichte aufeinander. Stattdessen bekommt man eigenwillige, teilweise ziemlich schräge Charaktere, bei denen Gut und Böse nicht immer so eindeutig voneinander zu trennen sind. Gerade das passt für mich hervorragend zu diesem düsteren Gothic-Märchen.
Auch die übernatürlichen Elemente haben mir sehr gefallen. Die Geister gehören ganz selbstverständlich zur Geschichte und verstärken diese leicht morbide Atmosphäre noch einmal. Gleichzeitig geht es hinter all dem Spuk auch um Familie, Verlust, Trauer und verborgene Fähigkeiten.
Camilla Bruce hat einen Schreibstil, der wunderbar zu dieser Geschichte passt. Er ist atmosphärisch und bildhaft und schafft es, dass dieses alte Haus und sein Garten beim Lesen richtig lebendig werden. Dabei besitzt die Geschichte etwas Märchenhaftes, aber auf eine ziemlich dunkle und verdrehte Art. Ich mochte außerdem, dass der Roman nicht versucht, einfach nur möglichst erschreckend zu sein. Der Grusel entsteht vielmehr aus der Atmosphäre und den Figuren.
Am Ende des Gartens ist für mich deshalb ein wunderbar ungewöhnlicher Gruselroman, der düstere Familiengeschichte, Gothic-Vibes, Geister und schwarzen Humor miteinander verbindet. Vor allem die eigenwilligen Charaktere und die morbide Atmosphäre machen das Buch zu etwas Besonderem. Wer im Herbst gerne Geschichten über alte Häuser, verwilderte Gärten, Geister, ungewöhnliche Familien und moralisch ziemlich fragwürdige Charaktere liest, sollte sich dieses Buch definitiv merken. Am besten für einen regnerischen Abend aufheben, Kerzen anzünden, eine Decke schnappen und vielleicht anschließend lieber nicht mehr alleine in den Garten gehen.
Von mir bekommt Am Ende des Gartens 3,5 von 5 Sternen.