Die Verlorenen von Santa Chionia beinhaltet 480 Seiten. Der Klappentext hat mich neugierig auf die Geschichte gemacht. Das Cover verrät aber wenig darüber, was den Leser erwarten wird. Es bleibt geheimnisvoll.
Der Leser wird von Anfang an in ein Bergdorf im wilden Kalabrien in Süditalien in das Jahr 1960 versetzt. Man begegnet einer jungen Amerikanerin, Francessca, die im Rahmen ein Projekts einer Hilfsorganisation einen Kindergarten eröffnen soll. Sie ist die Neue im Dorf. Es ist für beide Seiten sehr ungewöhnlich und emotional, die Einheimischen und sie als Neue und Fremde in diesem Dorf. Kurz nach ihrem Ankommen kommen bei einer Sturzflut menschliche Überreste ans Licht. Doch die eingeschworene Dorfgemeinschaft, zeigt kein Interesse an einer polizeilichen Untersuchung. Das findet Francessca ziemlich ungewöhnlich. Sie stellt Fragen, doch ihre Nachforschungen stoßen auf archaisches Schweigen. Tief verwurzelte Traditionen und mafiöse Loyalitäten stehen der stillen Macht mutiger Frauen gegenüber. Francessca fühlt sich total macht- und mutlos. Sie weiß nicht, wie sie mit diesem Ereignis umgehen soll. Sie merkt, wie wenig Modernität und Gleichberechtigung da vor Ort vorhanden ist. Dafür sieht man aber den Gegenpol, der sehr bildgewaltig und stark ausgeprägt ist, die Verflechtungen zwischen der Polizei, der Politik, der Mafia und der Geldmacht in Süditalien.
Die Geschichte ist sehr bildhaft dargestellt, mit einem sehr ausgeprägten Lokalkolorit. Die Beschreibungen der Landschaft und der Dorfbewohner machen das Setting greifbar und sehr nah. Dadurch wirkt es auf den Leser sehr authentisch und glaubhaft zugleich. Der Schreibstil ist flüssig, aber stellenweise sehr detailiert und ausgeprägt, dass man sich als Leser konzentrieren muss. Man merkt aber, dass die Autorin gut recherchiert hat. Der Leser begegnet auch sehr viele Charakteren, die miteinander familiär verbunden sind. Es macht die Sache auch nicht wirklich einfach, beim Lesen, alle zu unterscheiden. Aber man hat am Anfang ein Personenverzeichnis, daa ein wenig hilft, um sich zu vergewissern, wer mit wem verwandt ist. Trotzallem ist die Geschichte spannend und interessant, durch den historischen Hintergrund sogar noch mehr. Man konnte erfahren, wie damals die Strukturen im Dorf funktioniert haben. Mehr erfahren über die Lebensumstände der Frauen, deren Unfreiheit und Regeln innerhalb der Gemeinschaften in der damaligen Zeit. Man schaut auf manches aus einem anderen Blickwinkel der heutiger Zeit. Mir persönlich hat es gut gefallen. Mich als Leser hat so manches neugierig gemacht, es kamen Fragen auf während des Lesens, warum, wieso, weshalb so manches passiert. Die Leseabschnitte sind nicht immer kurz ausgefallen, dadurch kam es teils zu langatmigen Momenten. Da hätte ich mir mehr Dynamik gewünscht. Die Wendungen am Ende, haben mir gut gefallen und ich konnte mich bis zum Schluss mit Neugier mit dieser Geschichte befassen.
Deshalb vergebe ich 4 Sterne und eine Weiterempfehlung.