Marseille in Frankeich war während des 2. Weltkriegs der Rettungsanker für viele Menschen, die Europa verlassen mussten bzw. wollten. Auch Juline und ihr Mann sind hier gestrandet. Er würde gerne das Land verlassen und nach Amerika gehen, doch Juline möchte in Frankreich bleiben und hofft, nach ihrem Weggang aus Paris, auf besseren Zeiten in Marseille. Gleich nach ihrer Ankunft treffen sie durch Zufall den Maler Nicolas, auch er hat ein Päckchen zu tragen. Er hat den Tod seiner Frau vor einigen Jahren immer noch nicht überwunden. Wenig später sucht Juline ihn auf und bittet ihn um einen Poträtmalauftrag, als Überraschung für ihren Mann. Die beiden nähern sich an und die politische Situation spitzt sich mehr und mehr zu und für Juline und ihren Mann wird es gefährlich. Zum einen, weil sie ein Geheimnis mit sich führen, zum anderen, weil sie sich im Widerstand engagieren. Nicolas kann nicht länger zuschauen und greift in das Geschehen ein, welches für alle Beteiligten Auswirkungen auf ihr weiteres Leben haben wird. Ich kenne bereist einige Bücher von Theresia Graw und muss sagen, dieses Mal hat sie sich selbst übertroffen. Es wird deutlich, wie wichtig ihr diese Geschichte ist. Wie man im Nachwort erfährt, gibt es historische Bezüge zu tatsächlich gelebten und gewirkten Figuren. Diesen Menschen gilt mein höchster Respekt und es ist wichtig, dass die Autorin mit ihrem Roman, diese Menschen aus der Vergessenheit holt. Der Hauptteil des Romans spielt in der Vergangenheit, Beginn und Ende in der Gegenwart, somit bekommt die Handlung einen nachvollziehbaren Rahmen. Der Einstieg in die Geschichte gelingt leicht. Die Hauptfiguren werden vorgestellt und die Leserschaft erhält einen umfassenden Überblick. Auch die Schauplätze werden detailliert beschrieben. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen, da ich bereits in Marseille war, entstanden sofort Bilder in meinem Kopf. Von Kapitel zu Kapitel gewinnen die Figuren an Stärke und die Autorin verleiht ihnen mehr und mehr Ausdruck. Es gibt unerwartete Wendungen und es bleibt bis zum Schluss spannend. Der 432 Seiten umfassende Roman hat genau den richtigen Umfang. Theresia Graw bringt die Geschichte auf den Punkt, ohne Längen führt sie uns durch die Handlung und lässt ihre Protagonisten authentisch aufleben. Ich empfinde dieses Buch als eine absolute Bereicherung in diesem Genre der vielen historischen Romane, die es mittlerweile gibt und spreche sehr gerne eine Leseempfehlung aus.