"Ich stütze den Himmel mit beiden Händen. Während die Sonne zwischen den Wipfeln der Kastanien im Garten der Klinik aufgeht, heben wir die Arme nach oben, und mit dem Ausatmen lassen wir sie sinken, atmen ein und aus, drehen die Handflächen nach oben und unten."
Dieses Zitat steht am Ende des Buches, erklärt den einprägsamen Titel und ist bezeichnend für das Leben, dass die junge Lale sich aufgebaut hat. Als Leserin wird man Zeuge ihrer ungewöhnlichen Kindheit und Jugend, die tiefe Spuren in ihrer Seele hinterlassen und ihr Erwachsenendasein prägen.
Lale ist die Tochter einer drogensüchtigen Mutter, der sie bald nach der Geburt weggenommen wird. Nach einer kurzen Episode im Heim findet sie eine Heimat in der WG ihres Vaters. Es ist eine reine Männer-WG; die Bewohner sprechen ausgiebig dem Alkohol und den Drogen zu und wechseln ihre Sexualpartner häufig. Lale läuft einfach nebenbei mit, sie hat alles, was sie braucht, genießt jegliche Freiheiten - an einer Stelle des Buches sagt sie zu ihrem "Vätern", dass sie ihr ruhig mal etwas verbieten dürfen, was nur Gelächter hervorruft.
Die Beschreibungen von Lales Leben sind tiefsinnig und sehr scharf gezeichnet. Man bekommt als Leserin ein sehr genaues Bild des Milieus, indem sie aufwächst. Alle herkömmlichen Werte werden angezweifelt und lächerlich gemacht.
Und trotzdem fehlt Lale etwas, Struktur und Ordnung im Familienleben, Halt und Orientierung.
"Die Menschen da draußen, das fängt bei den Müslinachbarn an, sind Spießer und Idioten, überall lauern Denuzianten und Bullenschweine, der Fernseher ist in Farbe, die Welt ist schwarz und weiß."
Die Geschichte ist sehr eindringlich geschrieben, die Empfindungen der jungen Lale werden so authentisch dargestellt, dass es mich beim Lesen tief berührt hat.
Ein eindringlicher Roman, der die Folgen von Gewalt, Drogen und Alkoholmissbrauch auf sehr persönlicher Ebene schildert.