Alysee wuchs als Waise in einer Pflegefamilie auf. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt, ihr Vater, als sie vier Jahre alt war. Alles, woran sie sich noch von ihm erinnern kann, ist der letzte Satz, denn er zu ihr sagte: "Du darfst nicht einschlafen." Und daran hält sie sich seitdem, sie weigerte sich als Kind zu schlafen solange, bis sie auf Schlaftabletten gesetzt wurde, von denen sie mittlerweile abhängig ist. Seit 21 Jahren hatte Alysee keinen REM-Schlaf mehr.
Am Tag ihrer Prüfung an der Uni in Berlin wird sie von einer Rechtsanwältin angesprochen. Sie hat ein altes, leerstehendes Hotel geerbt. Nachdem sie durchgefallen ist und auch ihr Zimmer in der WG verloren hat beschließt Alysee zusammen mit ihrem Stiefbruder Nico dieses Hotel aufzusuchen. Und damit beginnt das Grauen ...
Ich habe mich die letzten zwei Wochen bewusst von Rezensionen über diesen Roman fern gehalten, weil ich mich nicht spoilern wollte. Trotzdem ist das eine oder andere zu mir durchgerutscht, vor allem die Frage, zu welchem Genre dieses Buch gehört. Nach der Lektüre kann ich sagen, es ist eindeutig Horror mit Thrilleranteilen, also war die vom Verlag angegebene Zuteilung korrekt.
Geschichten über Schlaf, bzw. Schlafapnöen gibt es öfter, keine Frage. Allerdings ist mir jetzt keines bekannt, das sich speziell um den REM-Schalf dreht. Insofern war ich gespannt, was mich erwartete. Da ich offensichtlich unter einem Stein lebe, ist dies auch der erste Band, den ich je von Sebastian Fitzek gelesen habe, also war ich gespannt darauf, da das eine oder andere seiner Bücher für mich interessant klingen.
Was ich dann aber gelesen habe ... Das erste Kapitel, das wohl eher ein Prolog sein soll, ist spannend zum Nägelkauen. Ich war begeistert und konnte kaum erwarten, weiterzulesen. Dann aber wurde ich sehr enttäuscht.
Ja, es ist Horror, aber er ist so generell geblieben. Es fehlt dem Roman an Tiefe, vor allem an der Tiefe, auf die das erste Kapitel hoffen ließ. Statt dessen werden die üblichen Klischees bedient: jede Menge Blut und Eingeweide, eine schwarze Masse als Monster. Man lernt sehr früh, dass das ganze etwas mit Schlaf zu tun hat, es wird gleich im besagten ersten Kapitel sehr deutlich beschrieben. Doch es geht einfach nicht in die Tiefe. Wenn da nicht diese beiden Namen auf der Klappe stehen würde, ich hätte dieses Buch als den ersten Versuch eines 20-jährigen Selfpublishers zugeordnet, der nicht wusste, worauf er sich in der Buchwelt einlässt.
Dabei bietet das Thema soviel Spannung und wirft soviele Fragen auf: Wie ist es Alysee möglich, 21 Jahre lang keinen REM-Schlaf zu haben? Wie genau manifestieren sich diese "Monster", denen sie im Hotel begegnet? Wie genau wurde die Menschheit geschaffen von Geistwesen? Das sind nur die großen drei, die bei mir hängen blieben nach der Lektüre. Es gibt noch unzählige unbeantwortete Fragen mehr.
Die Figuren, alle Figuren, bleiben blass und eindimensional. Ja, mit den Süchten von Nico und Alysee kommt vielleicht ein wenig grau hinein, aber kaum genug, als dass es das Weiß färben könnte. Und beide bieten Potenzial, wirklich grau zu werden. Ich rede jetzt nicht einmal von den drei Torture-Porn-Filmemachern, die die beiden aufsammeln und zum Hotel bringen - eigentlich, um sie zu ermorden.
Die Handlung ist wie ein schlechtes Drehbuch. Es gibt keine Tiefe, sondern es wird einfach etwas hingeworfen, keine wirklich tiefen Erklärungen, keine Einsichte. Abgesehen von dieser völlig an den Haaren herbeigezogenen Liebesgeschichte zwischen Alysee und Nico. Man möchte einfach nur den Kopf gegen die nächste Wand schlagen.
REM lässt sich flüssig weglesen, ja. Das und das Thema sind die einzigen Rettungsanker, die dieses Buch wirklich vorweisen kann. Aber ich möchte mehr als das. Vielleicht stehe ich damit allein, keine Ahnung, aber für mich war dieser Roman einfach nur eine große Enttäuschung, die nicht mal ein bekannter Name noch retten kann. Und ich frage mich, was wohl ein relativ unbekannter Indie-Autor aus diesem Plot gemacht hätte und glaube, es wäre besser gewesen als dieses Endprodukt.
Ich bin noch nicht so verstimmt, also gebe ich diesem Buch drei Sterne, wobei der dritte wirklich nur wegen des Themas vergeben wird. Es ist schade, aber es scheint wirklich, als würde die Horror-Literatur, zumindest bei den großen Publikumsverlagen, nur aus seichtem Mist bestehen, den ich eher auf TikTok erwarten würde denn von Droemer Knaur.