Humorvoll geschrieben, aber mit Tiefgang!
Ja, binationale Ehen bedeuten eine Herausforderung, noch dazu, wenn es um unterschiedliche Kulturen und/oder Religionen geht! Da kann ich mitreden, da unsere beiden Kinder Ehepartner mit anderen Nationalitäten gewählt haben und alle unsere fünf Enkelkinder zweisprachig aufwachsen. Das war jedoch weder für mich noch für meinen Mann - im Gegensatz zum französischen ¿Schwiegermonster-Giftzahn' im vorliegenden Buch - ein Problem, auch wenn wir mitunter gefragt wurden: "Muss denn das sein?" Wir freuten uns für unsere Kinder und waren neugierig auf die Besonderheiten der Nationalitäten unserer Schwiegerkinder: wir probierten ihre lukullischen Spezialitäten, interessierten uns für die Besonderheiten ihrer Kultur und besuchten mit ihnen auch ihr Heimatland. Wir sahen das als Bereicherung, empfinden das sogar als Geschenk!Die halbfranzösische Safia al Bagdadi (Schriftstellerin und Schauspielerin) brachte mit ¿Unser Haus mit Rutsche' ihren ersten Roman unter ihrem eigenen Namen heraus. (Ihre vorhergehenden Bücher erschienen unter dem Pseudonym Sofia Monney.) Den Grund dafür erzählt sie humorvoll im Buch und er ist nachvollziehbar. Überhaupt verarbeitet sie höchstwahrscheinlich viel aus ihrer eigenen, sehr abwechslungsreichen Historie. Hier wird alles aus der Sicht der Ich-Erzählerin Layla (anfangs 4 ¿ Jahre alt) berichtet: ihr irakischer Vater Amin (¿Babe'), ihre französische Mutter (¿Mamam'), ihr kleinerer Bruder Nouri (liebevoll ¿Seestern' genannt), die franz. Großeltern (Oma ¿Mamie', schon oben kurz erwähnt und Opa ¿Papi', der sich am liebsten in seinem Arbeitszimmer mit Whisky und dicken Zigarren aufhält).Wir lesen von unbeschwerter Kindheit in einer sanierungsbedürftigen Altbauwohnung in Saarbrücken, einem liebevollen Umgang der Eltern, den anstrengenden Besuchen bei den franz. Großeltern im Elsass und ihrem geliebten, aber schon ramponierten, Kuscheltier ¿Tutu'.Ein Besuch der Familie in Bagdad, kurz vor dem 2. Golfkrieg 1991, eröffnet uns einen Blick auf die Familie von Laylas Vater: eine Großfamilie mit Oma Layla (¿ein Liebe verströmender, wohlwollend und friedvoll über uns wachender Vollmond' - und somit der totale Kontrast zu Oma ¿Mamie') + 11 Cousins. Wir lernen Irak unter der Herrschaft vom international geduldeten Diktator Saddam Hussein kennen mit den Gepflogenheiten und Besonderheiten von Bagdad. (Sehr aufschlussreich wird auch die Politik bezüglich der Golfkriege erklärt!)Dazwischen erleben wir immer wieder die erwachsene Layla, auch bei ihren Sitzungen bei der Psychologin Madame Marguerite Donnadieu, und erfahren, was sich so alles in dieser Familie inzwischen getan hat. Ich war total begeistert von der leichten, humorvollen Sprache und den geschilderten vielfältigen Charakteren. (Von dieser Sprache, dem Cover oder dem Titel sollte sich aber niemand täuschen lassen - es steckt sehr viel Tiefgründigkeit dahinter!) Fünf überzeugte Rezensions-Sterne vergebe ich und empfehle dieses Buch allen, die wie ich ein Faible für fremde Kulturen haben.