Viel Potential - leider schlecht umgesetzt
Die Grundidee von We Who Have No Gods hat mich tatsächlich ziemlich neugierig gemacht: eine magische Akademie, Hexen, dunkle Geheimnisse, rivalisierende Gruppierungen und eine Protagonistin, die selbst keine Magie besitzt und eigentlich nur ihren Bruder beschützen möchte. Gerade die Tatsache, dass nicht der magiebegabte Bruder, sondern die "normale" Vic im Mittelpunkt steht, fand ich spannend.Leider konnte mich die Umsetzung nicht wirklich überzeugen.Das Setting wird als Dark Academia präsentiert, für mich kam diese Atmosphäre aber nur teilweise an. Avalon Castle hätte eigentlich unglaublich viel Potenzial für eine düstere, geheimnisvolle und beklemmende Atmosphäre gehabt, wirkte auf mich aber vor allem kalt und unfreundlich. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Geschichte mir zwar erzählen möchte, wie besonders und geheimnisvoll diese Welt ist, sie mir aber nicht genug gezeigt wird.Auch mit den Charakteren hatte ich meine Schwierigkeiten. Gerade Vic war mir häufig zu unfreundlich, impulsiv und teilweise kindisch. Ich konnte ihre Motivation, ihren Bruder beschützen zu wollen, grundsätzlich nachvollziehen, aber viele ihrer Entscheidungen haben mich eher genervt als mit ihr mitfiebern lassen.Auch die männlichen Charaktere konnten mich nicht wirklich abholen. Besonders das Verhalten gegenüber Vic fand ich teilweise toxisch und stellenweise schon unangenehm stalkerhaft. Die Dynamik sollte vermutlich Spannung und dieses typische "Enemies-to-Lovers/Slow-Burn"-Gefühl erzeugen, bei mir hat es allerdings eher für Distanz gesorgt.Was mich ausserdem gestört hat, war das Pacing. Über weite Strecken passiert gefühlt sehr wenig. Und wenn dann tatsächlich etwas Wichtiges passiert, wird es teilweise innerhalb weniger Seiten abgehandelt. Dadurch hatte ich nicht selten das Gefühl, dass die Geschichte entweder auf der Stelle tritt oder plötzlich mehrere Schritte überspringt.Auch das Worldbuilding hätte für mich deutlich mehr Tiefe gebraucht. Das Konzept rund um die Hexen, die verschiedenen Gruppierungen, Magie und die Bedrohung durch die Monster fand ich interessant - aber vieles davon bleibt für meinen Geschmack zu oberflächlich. Genau deshalb hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass hier eigentlich eine richtig spannende Geschichte drinstecken könnte, aber ihr die nötige Ausarbeitung fehlt.Für mich bleibt deshalb vor allem das Gefühl: viel Potenzial, aber leider nicht die Umsetzung, die ich mir gewünscht hätte.Die Idee hätte mir eigentlich richtig gut gefallen. Ich mochte den Ansatz und die Grundstimmung, aber Charaktere, Beziehungen, Worldbuilding und vor allem das Pacing haben mir das Lesen leider ziemlich schwer gemacht.Ich glaube, wer typische Romantasy mit Dark-Academia-Elementen, geheimnisvollen Männern, Hexen und Monstern mag und bei der Ausarbeitung etwas weniger anspruchsvoll ist, könnte hier durchaus Spass haben. Für mich persönlich hat es aber leider nicht funktioniert. Deshalb leider leider nur zwei Sterne von mir.