Umfassender Ratgeber zu den Themen Partnerschaft und Autonomie, aber mit Längen und zuviel "Anglizismen".
"Frei und trotzdem verbunden - Führe die Beziehung, die du dir wünscht und bleibe du selbst" heißt das neue Buch der Psychologin und Coachin Linda-Marlen Leinweber. Es ist ein recht modernes Buch, was sich auch in der optischen Gestaltung niederschlägt. Ein Cover in zarten Pastellfarben mit einer strahlenden, jungen Frau - muss man mögen, mir ging es persönlich etwas zu sehr ins Kitschige und wird dem insgesamt wissenschaftlich fundiert aufgebauten Werk nicht gerecht. Das Buch umfasst 270 Seiten, aufgeteilt in einzelne Kapitel mit Sachthemen, die aufeinander aufbauen. Es geht vor allem um die Balance zwischen Nähe und Eigenständigkeit in Beziehungen - ein Thema, das wahrscheinlich viele kennen. Im hinteren Buchteil gibt es dann noch ein umfangreiches Register plus Anmerkungen bzw. Quellenhinweise. Die Autorin baut ihr Buch darauf auf, dass unser Beziehungsverhalten basiert auf unseren individuellen Bindungsstilen. Sprich: So wie wir Beziehung bei früheren Bezugspersonen erlebt haben, beeinflusst das auch später unser eigenes Beziehungsverhalten. Sogar die Wahl unserer Partner kann unbewusst davon beeinflusst werden. Dies ist dann auch ihr Einstieg in den Ratgeber, auf den ersten 70 Seiten beschäftigt sich die Psychologin umfänglich mit den verschiedenen Bindungsstilen. Wer bislang keine Ratgeber gelesen hat, die sich mit diesem Thema befassen, wird diese Ausführungen interessiert lesen und davon profitieren, für mich war das nichts Neues und zu ausschweifend. Die Psychologin geht dann im Buch auf die entscheidenden Phasen einer Partnerschaft ein, angefangen vom Dating, über das Verliebtsein mit den bekannten Schmetterlingen im Bauch bis hin zur festen Partnerschaft mit Familiengründung. Sie beschreibt dann ausführlich die Themen, die am häufigsten zu Konflikten in der Partnerschaft führen wie zum Beispiel Finanzen, Eifersucht, Familienplanung, Sexualität, nennt hierzu dann auch zahlreiche Fallbeispiele und zitiert wissenschaftliche Untersuchungen. Hier punktet das Buch bei mir besonders, da die Autorin konkrete Knackpunkte aus dem Alltag ins Visier nimmt, beispielsweise wie man sich als Paar eine "gesunde" Streitkultur erarbeiten kann. Dem Thema "Kommunikation" räumt die Psychologin einen hohen Stellenwert ein: "Die Kommunikation ist die Tür zwischen 2 Innenwelten", und ja, da pflichte ich ihr uneingeschränkt bei! Insgesamt schreibt die Autorin durchweg verständlich und gleitet dabei nicht zu sehr in Fachtermini oder Wissenschaftliches ab. Die Skizzen und Fragekataloge zur Selbstanalyse sowie Übungen machen dabei das Buch lebendiger und verständlicher. Einige Fragestellungen zur Selbstanalyse sind durchaus fordernd aber auch zielführend, da merkt man einfach deutlich die therapeutische Ausrichtung und Erfahrung der Psychologin. Als störend habe ich die Anglizismen empfunden, die in Leinwebers Buch immer wiederkehrend auftauchen. Warum muss denn die Hausarbeit "Care Work" heißen, das wöchentliche Gespräch "Weekly Date" oder "Talk Date"...? "Me-Time" und "Mismatch", "Learnings", "Mental Load" sind dann noch so Beispiele, die sich anscheinend schon fest im deutschen Sprachgebrauch etabliert haben. Mein Fazit: Wer noch nicht viel weiterführende Literatur zum Thema gelesen hat, bekommt mit diesem Ratgeber einen guten Überblick, wie die Gradwanderung zwischen einer erfüllten Partnerschaft und dem Beibehalten des eigenen Selbst gelingen kann. Wer an seiner Beziehung arbeiten möchte und dazu einen alltagstauglichen Ratgeber für den Einstieg benötigt, macht mit diesem Buch sicherlich nichts falsch. Die Autorin gibt in diesem nicht nur theoretisches Wissen weiter, sondern stößt zusätzlich Impulse mit Reflexionsfragen, Übungen und Fallbeispielen aus ihrer Praxis an. Bei tiefer liegenden Problemen, und dies empfiehlt auch die Buchautorin, sollte man fachlichen Beistand wie beispielsweise Paartherapeuten hinzuziehen.