Ein solider Krimi - etwas lang, ein paar Klischees zu viel -, der im 2. Teil deutlich an Fahrt zulegt und so Lust auf die Fortsetzung macht.
Der schwedische Autor Mattias Edvardsson startet mit diesem Kriminalroman eine neue Reihe, "Gunni Hilding ermittel". Gunni ist eine junge Polizistin mit einer düsteren Vergangenheit, die kurzfristig vom Streifendienst an die Kriminalpolizei ausgeliehen wird. Da hat sie es als Neue nicht leicht, aber sie versucht, den aktuellen Fall möglichst faktenbasiert aufzuklären. Das ist der neueste Fall: ein Junge, Robin Falk, fährt mit seinen zwei Nachbarsjungen zum Spielen in den nahen Wald - und verschwindet. Sie wohnen im sehr kleinen, abgeschiedenen Örtchen Gabeljung in der Nähe von Trelleborg. Die Nachbarn werden teilweise als merkwürdige Kauze beschrieben, manche unsympathisch, manche mitfühlend, manche raubeinig. Robin lebt mit seiner Mutter Lola und dem jüngeren Bruder Filip bei Tony Jönsson, seinem ziemlich barschen, rechthaberischen Stiefvater. Nachdem die Nachbarskinder Dennis und Daniel aus dem Wald zurückkommen und niemand weiß, wo Robin ist, macht sich das Dorf auf die Suche. Der kleine Robin wird erschlagen aufgefunden und es beginnt eine verzweifelte Suche nach dem Täter, die Polizei verdächtigt fast jeden, auch im Dorf gibt es Hinweise auf einige Einwohner, zwei junge Burschen werden verdächtigt, der Stiefvater auch, ein Sonderling namens "Ekel-Bengt" erhält Polizeibesuch und ein Nachbar, Allan, wird auf Grund von Hinweisen in Untersuchungshaft genommen. Aber keiner gesteht, so dass ein Psychologe hinzugezogen wird, der die beiden Freunde von Robin wegen ihrer Erinnerungslücken befragen soll. Dies erschien mir sehr manipulativ, aber die Ermittlungen werden eingestellt, der Verdächtige entlassen und die Kinder werden nach ihrem fragwürdigen Geständnis als die Täter benannt.Der Autor beschreibt die Szenerie wie auch die Protagonisten sehr lebendig, ich konnte mich recht gut in die Situation hineinversetzen. Aber er beschreibt auch sehr ausführlich und die Vorgeschichte von Gunni, die wird aus meiner Sicht so sehr betont, dass der Kriminalfall in den Hintergrund gerät. Gunni leidet offensichtlich an starken Minderwertigkeitskomplexen, aber trotzdem, oder gerade deshalb will sie als Polizistin den Menschen unbedingt helfen. Außerdem liegt ihr wohl viel daran, mit der Kollegin Inga Sjölin zusammenzuarbeiten. Aber es läuft nicht alles nach Wunsch.So sehr ich mich schwertat mit dem ersten Teil, so sehr gefiel mir der zweite. Als hätte ein anderer Schriftsteller die Macht ergriffen und bringt jetzt Spannung ins Geschehen. Ja, vielleicht musste erst mal fünf Jahre vergehen, vielleicht ganz gut, dass die übersprungen wurden und die Ereignisse im Rückblick erzählt werden. Es wurde endlich spannend, immer wieder neue Verdachtsmomente, neue Schrecksituationen - besonders für Lola, Robins Mutter -, und Gunni wird wohl doch eine richtige Ermittlerin und bleibt nicht ein Leben lang Streifenpolizistin. Der zweite Mord, der in diesem Krimi geschieht, bringt eine Lawine ins Rollen, bei den Ermittlungen und bei den Menschen. Das ist gut gemacht.Dieses Buch macht klar, dass Verdachtsmomente, Beschuldigungen und "Gefühle" eine Aufklärung sehr beeinflussen können, eben auch ins Negative. Was Menschen durchmachen, die wegen falscher Beschuldigungen kein normales Leben führen können, das geht schon sehr an die Nieren beim Lesen. Es ist ja "nur" ein Krimi, aber das Schicksal von Daniel und Dennis, das hat mir tatsächlich viele Gedanken gemacht.Fazit: Ein solider Krimi, der im zweiten Teil deutlich an Fahrt zulegt und Lust auf eine Fortsetzung macht.Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.