Ein Ratgeber, der in jede Familie/Haushalt mit ADHS-Diagnose(n) gehört, den auch Fachpersonen lesen sollten.
Diesen Ratgeber konnte ich in mehreren Episoden lesen und meinen Fokus gut darauf halten. Durch meine eigenes ADHS ist dies momentan nicht bei vielen Ratgebern möglich. Wenn ich doch mal abgeschweift bin, dann war es themenbezogen. Ich habe mir z.B. andere Familien vorgestellt, die ich über meine Arbeit als Ergotherapeutin kennen gelernt habe, was ich ihnen nun raten könnte.Vom Thema her, bin ich nicht ganz die Zielgruppe, denn meine Kids sind noch Schul- und Kitakind - bisher hat der Große die bestätigte Diagnose. Wahrscheinlich erkennen viele Familien mit Jugendlichen etliche Situationen wieder. Ich dagegen, habe eine Vorstellung erhalten was mich erwarten könnte. Und zugleich die Chance derlei Szenarien vorher anzugehen. Z.B. kann ich noch etliche Dinge über Psychoedukation regeln. Einem: Jugendlichen die eigenen Failures erklären zu wollen, ist eine große Herausforderung bei all den Umbauprozessen, denen das jugendliche Hirn unterliegt.Teils erfasste mich Beklemmung was Teenager mit ADHS alles aushalten sollen und wie ihre Familien es zu ertragen haben. Aber mit der Beklemmung kamm auch zugleich die Hoffnung, wir können es anders regeln und Dankbarkeit für die vielen wertvollen Tipps und Hinweise in dem Buch.Insgesamt ist das Buch super aufgebaut. Es ist stark am Alltag von ADHSler:Innen und ihren Familien dran. Manchmal legt die Autorin den gut bekannten Finger in die Wunde. Sie ist dabei direkt und ehrlich. Es wird nichts verschönert oder verschleiert. Das hat mir gut gefallen. Denn es ist nun mal so, dass gewisse kognitive Prozesse bei ADHSler:Innen nicht nach Norm laufen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, aber mit einem aufmerksamem Umfeld können diese vermeintlichen Schwächen kompensiert werden und manche auch zu stärken werden. Zwei der Unterkapitel möchte ich gern hervor heben: Medien und Medikamente. Der Medienkonsum ist ein viel diskutierten Thema. Dieses konnte die Autorin gut eingrenzen, die Individualität dabei heraus arbeiten und hinreichend die Gefahren von zu viel vom Falschen aufzeigen. Für mich steckt ein guter Leitfaden darin, den ich jetzt nutzen kann um die beschriebenen Folgen weitestgehend zu umgehen. Und auch die Medikation ist hilfreich beschrieben. In einem Balanceakt konnte die Autorin die Wichtigkeit und Grenzen von Medikamenten darstellen. Natürlich lassen sich große Skeptiker:Innen schwer überzeugen, dafür aber viele, die sich unbeabsichtigt mit Falschinformationen und Vorurteilen beschäftigt hatten. Alles in allem ist dies ein Buch, welches meine Bibliothek nur mit großem Widerstand wieder verlassen wird. Es ist nämlich gut möglich, dass ich hin und wieder etwas nachlesen werde.