Cover & Klappentext
Die Cover der Reihe sind insgesamt ähnlich gestaltet worden und unterscheiden sich nur in Details voneinander. Somit erkennt man gleich die Zugehörigkeit.
Davon abgesehen sind sie recht einfach gehalten, lenken aber dennoch die Aufmerksamkeit auf sich, und sei es durch die Farbgebung. Mir gefallen sie.
Mir haben es die vorherigen Geschichten der Anemoi schon angetan, da konnte ich hier nicht widerstehen. Der Klappentext macht definitiv neugierig auf mehr.
Meinung
Min lässt sich von Madame Clarisse als Bannweberin ausbilden, was das Zubereiten tödlicher Gifte beinhaltet. Dafür sieht sie auch lange Zeit darüber hinweg, dass die Madame übernatürliche Wesen gefangen hält, und nicht zuletzt einen Gott.
Eurus ist im Turm des Anwesens eingesperrt. Bei ihrem Versuch, ihm zu helfen, gelingt ihm die Flucht, und er nimmt nun Min als Gefangene mit. Sie soll für ihn ein seltenes Gift herstellen, damit er endlich seine Rache bekommt.
Überwiegend aus der Sicht von Min wird man durch das Geschehen geführt, bis auf den Epilog. Nachdem die vorherigen Bände alle recht präsent waren, besticht das Finale durch die leisen Töne. Das heißt natürlich nicht, dass diese Geschichte nicht mit einem Knall endet.
Min ist nicht die klassische Heldin. Seit dem Tod ihrer Mamie kennt sie nur Unterdrückung. Madame Clarisse hat sie übernommen, als sie das Anwesen, ihr Zuhause, gekauft hat. Seitdem hofft sie auf eine bessere Zukunft und wagt es nicht, aufzubegehren. Bis die Schreie von Eurus, dem Ostwind, an ihre Menschlichkeit appellieren. Sie kann seine Folter nicht länger ertragen und beschließt, ihm zu helfen, was mit ihrer eigenen Gefangennahme endet.
Ich habe mich anfangs mit Min etwas schwergetan. Zwar konnte ich mich gut in ihre Lage hineinversetzen und habe ihre Angst nachempfinden können, doch ihre zeitweilige Naivität war für mich etwas unverständlich. Dabei hat die Autorin durchaus versucht, es glaubwürdig darzustellen. Mich hat vermutlich das Hin und Her im Reich der Götter so verwirrt. Denn gelegentlich konnte sie Madame Clarisse klar einschätzen. Dann wiederum nahm sie deren Taten wie durch eine verschleiernde Brille wahr. Ich gehe davon aus, dass hier die Hoffnung symbolisiert werden sollte, dass diese Frau nicht so schlimm ist, wie sie anmutete.
Eurus ist ein gebrochener Charakter und unterscheidet sich damit nicht viel von Min. Beide haben Schreckliches durch- und überlebt, was natürlich Narben hinterlassen hat. Äußerlich sowie innerlich.
Das wurde beeindruckend beschrieben.
Und gerade solche Figuren bieten ein tolles Potential zur Weiterentwicklung, die hier grandios umgesetzt wurde. Wie schon erwähnt dominieren hier die leisen Töne, die aber umso eindringlicher wirken.
Der Schreibstil ist angenehm und geschmeidig. Durch die ausgewogene Wortwahl wird man sicher durch den heftigsten Sturm geführt. Einzig das Tempo ist etwas gemächlicher. Aber alles andere hätte nicht gepasst. Nur begünstigt das einige Längen.
Sowohl Min als auch Eurus finden nur langsam Zugang zueinander, was mir wirklich toll gefallen hat. Beide müssen Vorurteile überwinden und zusammenarbeiten, um zu überleben.
Gerade zum Ende hin war es ein Feuerwerk der Gefühle. Sehr intensiv.
Obwohl jeder Band eigenständig ist, empfehle ich, die vorgegebene Reihenfolge einzuhalten, denn diverse Geschehnisse finden ihren Abschluss erst im Finale.
Das Ende im Epilog hat das Ganze noch mal aufgelockert. Sehr schön.
Fazit
Ein außerordentlicher Abschluss einer ungewöhnlichen Reihe. Hier setzt die Autorin auf leise Töne, die nachhallen, und begeistert erneut mit ihrer Fantasie.
Mit Min und Eurus hat sie vielschichtige Charaktere geschaffen, die berühren.
Und die anderen Anemoi haben auch noch mal einen Auftritt.
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.