Cover & Klappentext
Ich habe mich auf den ersten Blick in das Cover verliebt. Es war anfangs die Farbgebung, aber auch die Details überzeugen.
Der Klappentext vermittelt ein tolles Gefühl für das Buch und macht neugierig auf mehr. Ich konnte nicht widerstehen.
Meinung
Die junge Speerfischerin kennt nur das entbehrungsreiche Leben in dem kleinen Küstenort, der regelmäßig von unvorhersehbaren Stürmen heimgesucht wird. Aber diese spülen auch interessante Dinge an Land, mit denen sie Handel treibt. Bis sie ein Seeglas findet. Sagenumwoben und erschreckend. Dieses Glas entfesselt magische Kräfte und lockt gefährliche Wesen an.
Ausgerechnet in dem zurückhaltenden Eero findet sie Rückhalt. Dabei ist er ein Nachfahre des berüchtigten Mervolks, die Tavi gelernt hat, zu verteufeln und zu hassen. Trotzdem kann sie sich ihm nicht entziehen. Zusammen folgen sie einer längst vergessenen Legende und entdecken eine Kraft, die furchteinflößender ist als alles, was ihnen droht.
In dieser Story liegt der Fokus ganz klar auf Tavi. In der personalen Erzählperspektive wird man durch das Geschehen geführt und lernt ihre Sichtweise gut kennen.
Der Einstieg hat mich sofort gefesselt, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Dabei war es weniger Tavi, die mich begeistert hat, sondern die erdachte Welt. Mir war, als könnte ich das Meer riechen.
Obwohl ich anmerken muss, dass mich das Glossar etwas eingeschüchtert hat. Die verschiedenen Begriffe und deren Einordnung innerhalb der Story wirkten überwältigend. Aber erstaunlicherweise war es letztendlich kein Problem.
Tavi ist nicht die typische Hauptprotagonistin, sei es von der Optik oder ihrer Art. Aber genau das hat mir gefallen. Sie bringt sich permanent in Schwierigkeiten und scheint kaum Angst zu kennen. Im Grunde gute Eigenschaften, um aus ihr eine Heldin zu machen. Dennoch konnte ich zu ihr erst im weiten Verlauf eine Verbindung herstellen. Sie war für mich nur schwer greifbar. Am Anfang war das kein Problem. Aber spätestens nach einigen Geschehnissen, die Gefühle erforderten, hat sie sich abgeschottet. Ich verstehe die Beweggründe der Autorin, es so zu lösen, jedoch transportiert gerade die Hauptprotagonistin oder der Hauptprotagonist viele Emotionen. Diese hat sie zwar später zugelassen, da war allergings der richtige Zeitpunkt vorbei.
Aus diesem Grund brauchte ich wirklich lange, um mit ihr warm zu werden. Danach stand in erster Linie die Spannung im Vordergrund. Die Dinge überschlugen sich und führten Tavi und Eero in die unterschiedlichsten Gegenden.
Eero wiederum hat mir sofort gefallen. Er ist geheimnisvoll, quasi ein fremdes Wesen, und Tavi muss lernen, dass sämtliche Horrorgeschichten über seine Art keineswegs der Wahrheit entsprechen. Und genau diese Veränderung wurde toll dargestellt. Sie ging nur langsam vonstatten, immer wieder von Misstrauen unterbrochen. Wirklich schön. Das Thema Toleranz spielt eine große Rolle, wobei es für beide Seiten gilt.
Und neben dem Kennenlernen kommen sich Tavi und Eero auch näher. Slow Burn Romance ist hier wirklich wörtlich zu nehmen. Nach und nach entwickelt sich eine gewisse Zuneigung zwischen den beiden, die langsam wächst. Auch diese Umsetzung ist gut gelungen. Denn hier kommen softere Emotionen zum Tragen, nicht nur die bereits erwähnte Spannung. Was wiederum ein wenig das Tempo rausnimmt. Die Schlüsselszenen wurden schön herausgearbeitet.
Neben den beiden Hauptprotagonisten gibt es noch jede Menge Charaktere, die keineswegs farblos wirkten, sondern alle etwas Besonderes an sich hatten. Und das ist nicht einfach umzusetzen.
Der Schreibstil ist schnörkellos. Hin und wieder verliert sich die Autorin ein wenig in Erklärungen, bekommt aber schnell wieder den Bogen, indem sie einen Twist einbaut. Er ist recht flüssig, müsste sich aber noch ein wenig einschleifen, um wirklich geschmeidig zu sein. Trotzdem sind mir keine Stolpersteine aufgefallen.
Oftmals geschieht in einem ersten Band nicht allzu viel, weil die erschaffene Welt einiger Beschreibungen bedarf. Das war hier keineswegs der Fall. Stattdessen fühlte ich mich manchmal ein wenig hin und her geworfen, wie auf hoher See. Und genau das macht die Story so überzeugend. Man nimmt sie quasi mit allen Sinnen wahr.
Fazit
Für ein Debüt ist diese Geschichte wahnsinnig gut gelungen. Außergewöhnliche Charaktere, furchteinflößende Wesen und Magie verwoben zu einem intensiven Abenteuer, so wild wie das Meer.
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung. Gleichzeitig sehne ich Band zwei herbei.