Medra Pendragon kommt in einer ihr unbekannten Welt zu sich, splitternackt inmitten eines Berges aus Leichen. Ehe sie sich orientieren kann, wird sie von dem arroganten Blake Drakharrow festgenommen und zum Hof seines Onkels verschleppt. Victor Drakharrow, der Anführer der Highbloods, wie sich die Vampire in diesem Land selbst nennen, erkennt in Medra eine Nachfahrin der legendären Drachenreiter und verlobt sie kurzerhand mit seinem Neffen Blake. Außerdem verfügt er, dass sie von nun an die Bloodwing Academy besuchen wird, wo sie nicht nur als Seuchengeborenen ständig um ihr Leben fürchten muss. Ihr Status als künftige Gefährtin des einflussreichen Blake rückt Medra zusätzlich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, so dass ihr von allen Seiten Gefahr droht.
"On Wings of Blood" von Briar Boleyn ist der Auftaktband der Bloodwing Academy Reihe, der mich zwar durchaus gefesselt hat, allerdings dennoch die eine oder andere Schwachstelle aufweist. Zu Beginn habe ich mich ein wenig ins kalte Wasser geworfen gefühlt, Medra wacht auf einem Berg Leichen auf und hat keine Ahnung, wie es sie hierher verschlagen hat. Über ihre Vergangenheit schweigt sie sich aus, so dass es nicht nur recht lange gedauert hat, ehe ich mit der Protagonistin warm geworden bin, ich konnte mich auch des Eindrucks nicht erwehren, mittig in eine bereits begonnene Geschichte hinein gefallen zu sein. Später habe ich erfahren, dass es eine weitere Reihe der Autorin gibt, die nicht für den deutschen Markt übersetzt wurde, die aber offensichtlich in Medras Herkunftswelt spielt, vielleicht sind dort die Informationen enthalten, die ich hier so deutlich vermisst habe.
Sowohl den Schreibstil als auch den Academy-Hintergrund habe ich gemocht, insgesamt kann ich von recht angenehmen Lesestunden sprechen. Irgendwann ist mir Medra doch noch ans Herz gewachsen, einige andere Figuren an der Schule waren mir ebenfalls sympathisch. Blake habe ich allerdings mit gemischten Gefühlen betrachtet, einerseits ist er wirklich grässlich arrogant, aus Medras Perspektive benimmt er sich einfach unmöglich und total abweisend. Dann wiederum spricht er sie mit "kleiner Drache" an, was mich schon an einen liebevollen Spitznamen denken lässt, die Abschnitte aus seinem Blickwinkel zeigen Zuneigung und Freundlichkeit (auch für ein flauschiges, niedliches Haustier).
Meiner Meinung nach ist diese harte-Schale-weicher-Kern-Charakterisierung aber nicht ganz gelungen, mir fiel es schwer, nachzuvollziehen, woher die Gefühle zwischen ihm und Medra plötzlich entstanden sind, in seinen Gedanken ging es eigentlich fast nur um erotisches Begehren, anstatt um emotionale Zuneigung. Dadurch hat sich seine Person für mich recht unausgewogen angefühlt, was mein Lesevergnügen ein wenig abgeschwächt hat. Dennoch bin ich neugierig genug zurück geblieben, um auch den Folgeband lesen zu wollen.
Fazit: Zu Beginn hätte ich mir etwas mehr Information über Medras Vorgeschichte gewünscht, den Schreibstil habe ich zwar als sehr fesselnd empfunden, Blakes Figur hat das Lesevergnügen allerdings etwas getrübt.