"100 Things I Hate About You" von Jella Benks hat mir im Buddy Read unglaublich viel Spaß gemacht - vor allem, weil meine Freundin und ich beim Lesen komplett auf unterschiedlichen Seiten standen. Sie konnte Alex sehr gut verstehen, während ich mich extrem oft in Amanda wiedergefunden habe. Und wahrscheinlich liegt genau darin die Stärke dieses Buches.Denn obwohl Amandas Leben auf den ersten Blick vielleicht überzogen wirkt, konnte ich gerade durch meine eigene Arbeit mit Social Media unglaublich viele Parallelen zu ihrem Alltag erkennen. Nicht in ihrem Ausmaß natürlich, aber dieses ständige Funktionieren, Performen, Sich-selbst-zur-Marke-Machen und gleichzeitig das Gefühl, bloß keine Schwäche zeigen zu dürfen, hat mich beim Lesen echt berührt.Amanda und Alex kennen sich seit ihrer Kindheit, weil ihre Familien Nachbarn sind und ihre Mütter praktisch Frenemies sind - also beste Freundinnen und Konkurrentinnen gleichzeitig. Dementsprechend wurden auch Amanda und Alex quasi damit großgezogen, sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Amanda führt sogar ein Burn Book mit hundert Gründen, warum sie Alex hasst.Die Geschichte beginnt, nachdem Amanda aus New York zurück nach Juniper Falls kommt. Sie steht kurz davor, mit ihrer Coaching-Karriere richtig durchzustarten. Ihr Programm "Solo Power", mit dem sie Menschen zeigt, wie sie glücklich alleine sein und ihre Kraft in sich selbst finden können, wurde von einer großen Plattform gekauft und soll jetzt groß rausgebracht werden.Ich liebe dieses Konzept übrigens wirklich sehr.Das Problem ist nur: Laut Vertrag darf Amanda während dieser Kampagne keine Beziehung führen.Und natürlich ist ausgerechnet in diesem Moment Alex plötzlich wieder ihr Nachbar.Beziehungsweise ihr alter neuer Nachbar.Und ab da eskaliert es eigentlich permanent zwischen den beiden.Diese ganze Dynamik aus Hassliebe, jahrzehntelangem Necken, verletzten Gefühlen, Streit, Anziehung und diesem ständigen emotionalen Gegeneinander hat einfach unfassbar viel Spaß gemacht. Amanda und Alex ziehen sich permanent auf, diskutieren, provozieren sich gegenseitig und landen trotzdem immer wieder beieinander.Und genau dadurch funktioniert dieses Buch für mich so gut.Es ist lustig, emotional und romantisch und spricht gleichzeitig unglaublich wichtige Themen an.Vor allem eben Selbstliebe, Self-Empowerment und Beziehungen, in denen Menschen sich selbst verlieren oder kleiner machen, um geliebt zu werden. Was mich dabei aber wirklich berührt hat, war, wie einsam Amanda eigentlich ist. Man merkt über das gesamte Buch hinweg immer wieder, dass ihre Familie ihre Arbeit als Coach nicht wirklich ernst nimmt, sie eher belächelt und sie mit ihren Träumen, ihrer Arbeit und ihrer gesamten Persönlichkeit oft komplett alleine dasteht. Für mich wirkte Amanda innerhalb ihrer eigenen Familie teilweise wie eine Außenseiterin, die zwar funktioniert, aber von niemandem wirklich verstanden wird.Dazu kommt die gesamte Social-Media-Thematik, die ich wirklich erschreckend authentisch fand. Gerade wie Frauen online bewertet werden, wie schnell sie sexualisiert, kritisiert oder zerrissen werden und wie viel perfekter sie sein müssen als Männer, nur um überhaupt ernst genommen zu werden. Bei Amanda kommt zusätzlich noch alltäglicher Rassismus dazu und ich finde, das Buch hat diese Themen wirklich gut eingebaut, ohne dass es sich künstlich oder belehrend angefühlt hat.Und ich liebe hier natürlich auch die offensichtliche Anspielung auf "10 Dinge, die ich an dir hasse", der laut Alex der beste Kult-Liebesfilm aller Zeiten ist - und ehrlich gesagt bin ich da komplett seiner Meinung. Nach diesem Buch hatte ich einfach sofort das Bedürfnis, den Film nochmal zu schauen.Und dann dieser Epilog.Der Epilog ist das Süßeste überhaupt. Wirklich. So fucking zuckersüß, dass man Karies davon bekommt und ich liebe einfach alles daran.Und ich liebe generell den Schreibstil der Autorin. Das war mein erstes Buch von ihr, aber definitiv nicht mein letztes. Band zwei ist längst vorbestellt und ich freue mich jetzt schon darauf, wieder nach Juniper Falls zurückzukehren.