Zum einem fand ich die Mischung aus Roman mit einem Hauch Ratgeber eine super Abwechslung. Anna war ein sehr angenehmer Hauptcharakter und ihr Gedankenkarussell konnte ich sehr gut nachvollziehen. Das Buch ist generell sehr positiv geschrieben und bietet gute Ansätze zum nachdenken, das hat mir sehr gefallen. Doch manchmal wirkten die Lösungen zu "einfach", zum Beispiel redet die nervige Kollegin doch noch immer viel und lenkt von der Arbeit ab? Oder als Anna ihrer negativen Schwiegermutter die Meinung sagt, wird das Eis gebrochen? Normalerweise ist es doch eher so, dass erst recht ein Konflikt entsteht durch sowas... Mit ihrer Freundin Sophie geht Anna die ganze Nacht feiern und beide schlafen bis Nachmittag aus - hm, mit Hund eher unwahrscheinlich, würde ich sagen? Hier wäre es vielleicht nicht verkehrt gewesen, auch die kleinen Nachteile, die entstehen können, aufzugreifen, wie das manchmal ein Streit oder ein Tag voller Müdigkeit in Kauf genommen werden muss, aber dass das es wert sein kann. Aber vielleicht wäre es dann nicht so ein Wohlfühlroman geworden :) Die Tagebucheinträge waren für mich zu unrealistisch und das hat mich gestört. 1923 war ein absulutes Krisenjahr, geprägt von einer enormen Inflation und daraus einhergehender Armut und Arbeitslosigkeit. Und Tilda räumt fröhlich ihre Wohnung um und gönnt sich eine Auszeit in Berlin? Mir kam es so vor, als sei der historische Hintergrund hier komplett außer Acht gelassen worden, vielleicht hätte ein anderes Jahrzehnt besser gepasst. Ich habe lange überlegt ob ich 3 oder 4 Sterne für dieses Buch vergebe und habe mich für 3,5 entschieden.