Pädagogisch sinnvolles Buch, vor allem für die Generation, die die Mauer nicht mehr erlebt habt. Ein toll recherchiertes Jugendbuch.
Ich bin erwachsen, sogar sehr erwachsen. Ich bin mit der Mauer aufgewachsen und einen nicht unerheblichen Teil meines Lebens war der "Fall der Mauer" eine Utopie. Sie war da und vor allem in unseren Köpfen (bei einigen mag sie auch da geblieben sein).So war es auch für Tom. Er kannte die DDR von Besuchen bei den Großeltern in Usedom. Doch er und sein Bruder kehrten immer wieder zurück an ihren Geburtsort Hannover und lebten im Westen der frühen 80er mit Monopoly und guter Mucke. Die beiden Brüder werden jedoch auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als der Vater mit der Familie in den Osten flieht. Ja, richtig gelesen. Die Familie flieht in den Osten und erst vor Ort erfahren die Brüder, dass "Papa" ein DDR-Wirtschaftsspion ist, dem die Enttarnung in der BRD drohte. Von da an wird das Leben der westlichen Brüder zu einer Katastrophe, die jedenfalls für Tom in Bautzen II endet. Ich mag nicht zu viel spoilern. Aber das Buch hat mich selbst als Erwachsene tief ergriffen, da es deutlich zeigt, wie hoffnungslos die Situation von Menschen in Autokratien und Diktaturen ist. Wie sie sich arrangieren müssen und das kleinste Stück Freiheit und eigene Meinung in einer lebensbedrohlichen Lage enden kann.Die Geschichte von Tom ist biografisch und nicht fiktiv. Es gibt auch Erwachsenenliteratur zu ihr. Doch dieses Buch ist von der Schreibe für Jugendliche aufgearbeitet, tiefsinnig, naiv und eindringlich zugleich. Die Autorin hat sich in den pubertierenden Protagonisten vorbildlich eingelebt und -gefühlt.Das Buch ist pädagogisch sinnvoll und ich kann es nur als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum empfehlen. Denn es ist spannend geschrieben, ohne dabei den Zeigefinger zu heben oder allzu schulisch-lehrhaft zu sein.