Nach den ersten drei Bänden von Stephen Frys Mythen-Reihe war Odyssee eigentlich Pflicht nur das oder war es sogar Kür?
Über die Handlung sei nicht zu viel berichtet, denn entweder ist sie ohnehin grob bekannt oder man verriete zu viel nur so viel: Während einige Griechen nach langem Krieg in die Heimat zurückkehren, muss Odysseus über die Meere irren doch dabei droht Ungemach, von Stürmen abgesehen auch von Riesen, mythischen Wesen und dergleichen. Doch sein Mut ist ungebrochen, wartet zuhause doch Penelope auf ihn.
Frys Odyssee ist eine Art freie Nacherzählung des griechischen Mythos, aber auch anderer kurzer Erzählungen (so entsteht zunächst kein Lesefluss wie bei einem Roman, dessen sollte man sich bewusst sein) ganz in Frys Erzählweise und Tonfall. Wer das nicht mag und glaubt, sich mal kurz die Odyssee anlesen zu können, wird sich ge- bzw. enttäuscht sehen, denn wer mit den Figuren nicht einigermaßen vertraut ist, dürfte mit deren Vielzahl Probleme bekommen und damit auch, der Handlung zu folgen. Für alle anderen ist dieser Band die Fortsetzung und Abschluss der Mythen-Reihe und wie bereits in den Vorgängern erzählt Fry nicht nur nach, sondern macht den Stoff lebendig, macht Helden und Götter nahbar. Er gibt den charmanten Plauderer, sodass man kaum bemerkt, wie detailgetreu er am Original bleibt, dabei aber nicht langweilt; er modernisiert, ohne zu übertreiben und am besten ist und bleibt sein Stil: lakonisch-ironisch, unterhaltsam, mit kleinen Randbemerkungen, die seine Helden persönlich bzw. greifbar scheinen lassen (er scheint sie alle zu lieben). Sein großes Verdienst dürfte darin bestehen, seiner Leserschaft die Scheu vor den Texten zu nehmen, auf dass der eine oder andere sich vielleicht an weitere Klassiker wagt. Der Abschluss der Reihe wirkte auf mich etwas schwächer als die ersten drei Bände, aber vielleicht nur, weil man das Prinzip nun kennt oder enttäuscht ist, dass die Reihe nun beendet ist, ein bisschen wie wenn die Lieblingsserie endet