»Ach ist das Leben seltsam ... «
"Ach ist das Leben seltsam ... Ich denke immer noch, es muss ein Traum sein, besonders da alles sich so eins ins andre fuegt, - - vom Kleinsten begonnen, wie einst. Wunder.? Wunder/Zufall?"Mascha Kaléko, die Getriebene. Verfasserin von Lyrik, die Gefühle und Wahrnehmung ohne Umschweife schildert und dadurch unzählige Menschen berührt. Immer auf der Suche, ihren Traum - als Dichterin - zu erfüllen und als das möglich schien, wurde er abrupt zunichte gemacht. Nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Lyrik-Bänden, floh sie mit ihrem zweiten Mann Chemjo Vinaver und dem gemeinsamen Sohn Evjatar - später Steven genannt - nach Amerika. Nach siebzehn Jahren, in denen sie ihr geliebtes Deutschland nicht besucht hat, wird es 1956 Zeit, wieder mal ihre Heimat zu besuchen. Es folgt ein Jahr, das sie emotional aufleben lässt als wären diese siebzehn Jahre nie geschehen. Als könnte sie da weitermachen, wo sie vor dem Krieg aufgehört hat. Als wäre nichts passiert. In unzähligen Briefen schildert sie ihrem Mann, der in New York geblieben ist, was sich verändert hat und was sie erlebt. Mal direkt und manchmal nur zwischen den Zeilen bringt sie ihren Wunsch zum Ausdruck, wieder nach Berlin zurückzukehren, in der Hoffnung nochmal neu anfangen und an ihren Erfolg anknüpfen zu können. Neu war für mich, neben Einblicken in das Leben Mascha Kalékos, Ernst Rowohlts Haltung während der NS-Diktatur. Auch wenn ich Volker Weidermanns Erzählstil - leider! - oft etwas trocken und langatmig empfinde, obwohl die Themen seiner Bücher für mich gar nicht ansprechender sein könnten, hat mich dieses Buch etwa ab der Hälfte begeistert. Insbesondere das Verlorensein Kalékos innerhalb des Exils und noch viel mehr nach ihrer Reise 1956 nach Berlin - ihrem Sehnsuchtsort. Durch dieses Buch erfährt man nicht nur von ihrem Leben - zerrissen hinsichtlich ihrer deutsch-jüdischen Identität -, sondern bekommt auch Lust, mehr von ihr zu lesen und sich ausführlicher mit ihrer Biografie zu beschäftigen. Denn ihre Lyrik wird bis heute - nicht ohne Grund und völlig zurecht - von vielen geschätzt und geliebt.