Ein bedrückender, besonderer Teil der Geschichte, der viele unmenschliche Lebensbedingungen zeigt.
Im Frühjahr 1945, kurz vor Kriegsende, verließ eine Gruppe von etwa sechzig UFA Filmschaffenden Berlin und reiste nach Mayrhofen in Tirol. Offiziell gaben sie an, dort einen Film zu drehen, tatsächlich war das Projekt jedoch nur Tarnung, um sich in Sicherheit zu bringen.Denn in den letzten Kriegswochen ging von der SS eine akute Bedrohung aus. Menschen, die als unzuverlässig galten, mussten mit Verhaftung oder Gewalt rechnen. Besonders Künstler und Intellektuelle standen unter Beobachtung und lebten in ständiger Angst vor willkürlichen Maßnahmen.Organisiert wurde die Aktion vom UFA-Produktionsleiter Eberhard Schmidt. Auch Erich Kästner war Teil der Gruppe und konnte so das Kriegsende außerhalb Berlins überstehen, was er in der "Notabene 45" in seinem Tagebuch festhielt.Ja, wir kennen die historischen Fakten, die Grausamkeiten des NS-Regimes, aber was das für die Menschen wirklich bedeutet hat, wie das Leben unter diesen menschenunwürdigen Bedingungen wirklich war, das zeigen Romane wie dieser. Deshalb sind sie so wichtig.Der "UfA-Bluff" löst bei mir große Bedrückung aus, weil hier von @ eine Atmosphäre geschaffen wird, die die Bedrohung durch das NS-Regime, gerade in den letzten Kriegswochen, lebendig macht.Das Nazi-Regime ist nicht permanent sichtbar, aber ihre Macht ist überall. Dieses Gefühl, dass ein einziges falsches Wort reichen könnte, macht den Roman so intensiv.Auch mit dem Wissen, dass das Denunziantentum an der Tagesordnung stand, lässt es mich hier erneut erschaudern. Menschen bringen sich gegenseitig in Gefahr, manchmal aus Angst oder aber aus Überzeugung oder Niedertracht. Diese Unmenschlichkeit hat mich beim Lesen wütend gemacht, weil sie so erschreckend glaubwürdig wirkt.Als Lehrerin haben mich die Szenen rund um die jungen Frauen, die sich gerade in der Ausbildung zur Lehrerin befinden sehr entsetzt. Wie streng und unmenschlich dort unterrichtet wird, wie wenig Raum für eigenes Denken bleibt, repräsentiert ihre Ausbilderin, die mit aller Macht versucht, die UFA-Mitarbeiter loszuwerden und sie dem Regime auszuliefern. Deshalb bracht man als Leser geradezu den Kontrast auf dem Hof, der die Protagonisten aufnimmt. Dort findet man nämlich plötzlich Menschlichkeit. Zusammenhalt und das stille Einverständnis, einander zu schützen und manches zu verschweigen, weil genau das Leben retten kann.Die Liebesgeschichte zwischen Luis und Lisa bleibt im Hintergrund, wirkt aber absolut nachvollziehbar. Wenn alles wankt, hält man sich eben aneinander fest.Kästner wird zwar erwähnt, aber nicht ausgeschlachtet. Das finde ich sehr angenehm, weil sich die Geschichte nicht um ihn dreht, das "Notabene 45" in seinem Tagebuch aber als wichtige Quelle der Historie und des Romans dient.Ein sehr spannender Roman, der durch kleinen Teil der großen Geschichte nicht nur die Bedrohung für Menschen in der Öffentlichkeit zeigt, sondern die Vielschichtigkeit der Brutalität dieser Zeit.