Ein atmosphärisch düsterer und mit Raffinesse konstruierter historischer Kriminalroman. Dieses Mal geht es um einen Mordfall, der ein grausames Geschäftsgebaren offenlegt. Johanna Ahrens, die Tochter eines Richters, geht ihren eigenen Weg und verliebt sich in Jan, einen Künstler aus dem sozialistischen Milieu. Blind vor Liebe lässt sie sich in den Sog der Bewegung ziehen und wird Zeugin einer "Leichenentsorgung". Johanna ist eine junge Frau mit eigenem Kopf, die manchmal etwas naiv wirkt. Sie ist sich ihrer Herkunft bewusst, versucht diese jedoch stellenweise auch gezielt zu verdrängen. Hermann Rieker, der Criminalcommissar in diesem Fall, ist ein pflichtbewusster Ermittler, dem Johannas Verhalten häufig den letzten Nerv raubt. Beide bilden - unabhängig voneinander - ein interessantes Ermittlerduo. Die Nebencharaktere sind gut gewählt, und es gelingt dem Autor, die Figuren mit Leben zu füllen. Man baut sehr schnell Sympathien und Antipathien zu den einzelnen Charakteren auf. Besonders imponiert haben mir die detaillierten Einblicke in die Kriminologie dieser Zeit. Es war eine Epoche des Umbruchs, in der sich die Kriminalistik von bloßen Mutmaßungen immer mehr zu einer seriösen "Wissenschaft" entwickelte. Diese Fortschritte, etwa bei der Leichenbeschau und Autopsie, werden in der Geschichte sehr anschaulich und gut verständlich dargestellt. Ein interessantes Ende rundet diesen Kriminalfall gelungen ab. Ein zweiter Fall, der mir wieder sehr gut gefallen hat. Die besondere düstere Atmosphäre sorgt für ein eindrucksvolles und stimmiges Kriminalerlebnis.