Seit sie denken kann, ist Holland St. James fasziniert von Mythen und Geheimnissen aller Art. Deshalb zögert sie auch nicht, als sie von einem mysteriösen College-Kurs in einem alten Kino erfährt, und versenkt sich in alten Legenden der Stadt LA. Als sie eines Tages in einem alten Laden über eine dieser Geschichten stolpert, kann sie deshalb ihr Glück kaum fassen. Doch schneller als ihr lieb ist, werden auch die anderen Mythen wahr und sie sind ihr nicht alle wohlgesonnen... Mit "Alchemy of Secrets" wagt Stephanie Garber, bekannt für ihre märchenhaft inspirierten Trilogien "Caraval" und "Once Upon a Broken Heart", ihren ersten Ausflug in die Low beziehungsweise Urban Fantasy. Dafür hat sie sich auch gleich ein faszinierendes Thema ausgesucht: Die glamouröse Atmosphäre von alten Filmen, Dekadenz, Art Déco und Geheimnisse an jeder Ecke. Mit ihrem gewohnt flüssigen, immer leicht zauberhaft angehauchten Schreibstil lässt die Autorin diese Seite der Filmmetropole sehr lebendig werden. Das Setting ist also ganz anders als von der Autorin gewohnt, der Rest fühlt sich aber gar nicht mal so neu an. Die Geschichte dreht sich um Holland, eine reiche Studentin mit tragischer Hintergrundgeschichte, die nach mehr Magie und Sinn in ihrem Leben sucht und deshalb alle Legenden und Mythen wie ein Schwamm aufsaugt. In dem Zusammenhang ist sie auch, ähnlich wie andere Protagonistinnen der Autorin, ziemlich arglos und glaubt alles, was man ihr erzählt. Bevor ihr auch nur ein einziger Beweis für die Existenz von Magie vor die Nase spaziert, meint sie bereits, dass sie den Teufel persönlich bei einem Drink kennenlernen kann, wenn sie in die richtige Bar geht. Aus diesem Grund zweifelt sie auch keine Sekunde lang an ihrem Verstand, sondern stürzt sich Hals über Kopf in dieses merkwürdige Abenteuer. Dieses wiederum ist wirklich unterhaltsam, man merkt der Autorin ihre Kreativität an, vor allem wenn es um kleine Geschichten und alte Geheimnisse geht. Schnipseljagden nach Hinweisen kann und liebt sie, das weiß man spätestens seit Once Upon a Broken Heart. Allerdings sollte man nicht allzuviel nachdenken und sich eher berieseln lassen, denn vieles hier ergibt nicht den allermeisten Sinn. Das Ziel scheint auch nicht zu sein, irgendetwas zu erklären, die Magie bleibt eine rätselhafte Instanz, die auftaucht und wieder verschwindet, wie sie gerade lustig ist. Die Verbindung von Magie und Mystery mit altem Hollywood-Glam ist eine wunderbare Idee, die auch atmosphärisch wirklich gut funktioniert, nur geht der Geschichte im Verlauf der Handlung ein wenig der Fokus verloren. Immer wieder möchte sich die Liebe zu Filmen und Details zeigen, wird aber abgebügelt von Hollands ungesunder Anzahl an Männerbekanntschaften. Die Männer geben sich hier nämlich wirklich die Klinke in die Hand. Es gibt zwar auch ein paar Frauen, die eine Rolle spielen, aber im Vergleich zu den zwielichtigen Herrschaften erscheinen die verschwindend gering. Holland wird im Laufe der Geschichte mehr und mehr zum Spielball von Jake, Adam, Gabe und Mason, wobei natürlich einer gutaussehender als der andere ist und sich Holland vor lauter fehlgeleiteter zweideutiger Gedanken kaum retten kann, während sie eigentlich um ihr Leben fürchten sollte. Die Männer manipulieren sie dann nach Strich und Faden und Holland fällt jedes Mal wieder darauf rein, ganz das Naivchen, das von allen außen vor gelassen wurde, wie es scheint aus gutem Grund. Das ständige Hin und Her und irgendwie fehlplatzierte Geflirte mit eindeutig zu vielen Beteiligten, die als Charaktere alle ziemlich flach bleiben, macht das an anderer Stelle wirklich faszinierende, atmosphärische Leseerlebnis ein wenig zunichte. Während man an der Seite der Protagonisten alte Requisiten bestaunen und verlassene Studios erkunden möchte, muss man stattdessen stets und ständig die Augen über die Protagonistin und ihre viel zu sehr um blonde Locken und deplatzierte Küsse kreisenden Gedanken verdrehen. Mit anderen Worten: Am Ende ist "Alchemy of Secrets" ein typisches Stephanie Garber Buch. Es punktet mit tollem, verträumtem Stil, lässt sich leicht und flott lesen, bietet tolles Retro-Flair und eine coole Idee, scheitert aber an den Erwartungen, die es weckt. Es war deshalb kein schlechtes Buch, die Grundgeschichte ist gut gelungen und bietet auch noch Raum für mehr Kreativität in bereits angekündigten Folgebänden, doch auch diese werden vermutlich wieder zugepflastert werden mit einer Menge Klischees und rosaroten Herzchenbrillen, statt auch mal düsterer und geheimnisvoller zu werden, so wie man das auch von einem guten Mystery-Film erwarten würde.