Spannende Intrigen, aber zu viel Gerede, wenig Worldbuilding und für Fantasy erstaunlich wenig Fantasy.
The Serpent and the Wolf habe ich insgesamt gern gelesen, auch wenn ich zwischendurch ein paar Längen hatte. Der Anfang war spannend und auch das letzte Viertel konnte mich wieder richtig packen. Dazwischen gab es allerdings längere Abschnitte, in denen mir eindeutig zu viel geredet und zu wenig tatsächlich erlebt wurde.Vaasa fand ich als Protagonistin interessant. Sie ist definitiv keine "Damsel in Distress", sondern kann auf sich selbst aufpassen. Gleichzeitig wirkt sie nicht übertrieben unbesiegbar oder künstlich "badass", sondern wie eine erwachsene Frau mit Stärken, Schwächen und nachvollziehbaren Reaktionen.Besonders schön fand ich auch, dass Vaasa nicht die einzige relevante weibliche Figur bleibt. Sie freundet sich mit anderen Frauen an und diese Freundschaften bekommen tatsächlich Raum. (Das fehlt mir oft in Fantasybüchern. Die Protagonistin hat dann vielleicht einen Love Interest und fünf männliche Freunde, aber keine einzige Freundin.)Auch die Dynamik zwischen Vaasa und Reid hat mir gefallen. Reid gehört erfreulicherweise nicht zu diesen männlichen Fantasyfiguren, die sich permanent möglichst dominant, geheimnisvoll und unausstehlich benehmen müssen, damit auch wirklich jeder versteht, wie gefährlich sie sind.Ich habe mit den Figuren durchaus mitgefiebert, mein grösster Kritikpunkt liegt aber im Mittelteil. Dort gab es für meinen Geschmack zu viele politische Gespräche, während die eigentliche Handlung kaum vorankam. Immer wieder wird darüber gesprochen, was jemand plant, was politisch passieren könnte oder was bestimmte Entscheidungen bedeuten, anstatt dass man die Ereignisse selbst miterlebt. Für mich war das teilweise zu viel "telling" statt "showing" und dadurch schlicht langweilig.Was mich ebenfalls gestört hat, waren die sehr spärlichen Beschreibungen. Vaasas Aussehen wird beispielsweise so spät beschrieben, dass ich über die Hälfte des Buches nicht einmal wusste, welche Haar- oder Augenfarbe sie hat. Von ihrer Körpergrösse oder ihrem Körperbau habe ich bis zum Schluss kaum eine Vorstellung. Ähnlich ging es mir mit der Umgebung. Die Welt bleibt optisch oft ziemlich vage, sodass ich mir viele Orte nur sehr grob vorstellen konnte. Gerade bei Fantasy wünsche ich mir eigentlich eine Welt, die vor meinem inneren Auge richtig lebendig wird.Und damit komme ich auch zu einem weiteren Punkt: Für ein Fantasybuch gab es überraschend wenig Fantasy. Eigentlich besteht der fantastische Anteil hauptsächlich aus ein bisschen Magie hier und da. Trotzdem wollte ich wissen, wie die Geschichte weitergeht. Die Intrigen werden spannender, einige Entwicklungen haben mir sehr gefallen und das letzte Viertel konnte vieles von dem wieder wettmachen, was sich vorher etwas gezogen hatte.Insgesamt warThe Serpent and the Wolfein gutes Buch, aber für fünf Sterne hatte es mehr gebraucht. Die Fortsetzung möchte ich auf jeden Fall lesen.