An der Logik hapert es ziemlich, Spannung mangelhaft. Die angekündigte Erotik kommt erst nach 3/4, dafür wird Consent und Respekt beachtet.
Vielleicht bin ich einfach zu alt für das Genre; aber: Ich kann schon so einige Punkte aufzählen, die ich hier nicht gelungen finde. Das fängt damit an, dass die Protagonistin Aiko für Mitte 20 viel, viel zu naiv ist. Aber die Hauptgründe sind, dass es andauernd mit der Logik andauernd hapert und die Autorin ihr eigenes Wordbuilding nicht ernst nimmt - was umso bedauerlicher ist, weil sie da durchaus schöne Ideen einbaut. Sorry, diese Rezi istNICHT SPOILERFREI, es ist vielmehr ein Rant, weil man das mit den Logikfehlern schlecht nur einfach behaupten kann. Ich habe mich häufiger gefragt, warum ich nicht abbreche, aber leider wollte ich trotzdem wissen, wie es ausgeht. Und weil die Versatzstücke ganz nett waren, hatte ich gehofft, dass sich doch noch einiges zum besseren fügen würde. Tja, da habe ich mich getäuscht.Besonders stechen beim Worldbuilding neben der Götterwelt und den Reinkarnationen die urbanen Legenden heraus, die einen Rahmen für die Jagd mehreren Dämonengegenständen herangezogen werden. Aber freut euch nicht zu früh: Hier kommt zwar endlich mal etwas Spannung auf, aber die hält auch nur etwa bis zur Hälfte des Buches.Die Anzahl der Logikfehler fand ich echt beeindruckend. Ich bin jetzt nicht ein Mensch, der dauernd darauf achtet, aber hier kam es absolut geballt. Das macht nicht nur die Welt unglaubwürdig und inkonsistent, sondern auch die Figuren unglaubwürdig.Aiko ist eine von tausend Inkarnationen der Fuchsgöttin Inari und zu Beginn des Buches begleitet sie einen Kodama, einen Baumgeist, in seinen letzten Augenblicken, bevor er stirbt. Tagelang hat sie den richtigen Baum gesucht, unter dem der Geist einst geboren worden war. Das scheint sie doch irgendwie zu einer Expertin für Kodamas zu machen, oder? Ihr Professor hatte aber jahrelang einen Kodama an seiner Seite, der ihr NIE aufgefallen war. Dem Professor ihrer aber schon. Mysteriös. Und trotz ihrer starken Bindung zu den Kodamas ist Aiko der Grund, warum fast Kodamas auf einmal sterben so egal, dass sie nicht mal versucht die Ursache herauszufinden. Umso absonderlicher, weil die Kodamas ja die Bäume beschützen und der Mönch, der sie seit Jahren begleitet, auch darauf hinweist, dass es daraufhin auch die Bäume sterben werden. Wie gut, dass die Autorin den Aspekt selbst vergisst und das nie wieder aufgegriffen wird. Wenigsten gibt mir das Buch eine gewisse Genugtuung, nachdem ich Stundenlang die Protagonistin anbrüllen wollte, sich doch mal auf die Ursache des Kodamasterbens zu machen, spielt es - Überraschung - doch tatsächlich eine wichtige Rolle! Sonst erkennen sich Reinkarnationen über Berührungen, aber eine Person wird dauernd, mehrfach, intensiv berührt, aber das spielt hier keine Rolle, weil irgendwie musste das hier geblockt werden. Nö, mehr Erklärungen werdet ihr nicht bekommen, auch, wenn das einen ganz entscheiden Twist begründen wird.Neben vielen großen Logikfehlern - keine Angst, ich werde jetzt nicht alle aufzählen - gibt viele kleine Sachen, die hinten und vorne nicht zusammenpassen. So heißt es einmal, ihr eigener Baumgeist Keko wäre an ihrer Seite gewesen, seit die Protagonistin denken konnte. Aber stand nicht an anderer Stelle, sie wäre zu ihr gekommen, als Protagonistin zum ersten Mal beim Schrein gewesen ist??? Sie befindet sich in einem echt gruseligen Haus, wo in der Umgebung ein Dämon sein soll. Als sie ein leises Tapsen hört, öffnet sie erst die Augen, als es sich schon wieder entfernt. Klasse, da hättest du schon drei Mal tot sein können. Und dann liegt da eine liegt eine Jacke und ihr Puls beschleunigt sich, als sie feststellt, dass es nicht irgendeine Jacke ist, sondern von dem Typen, der da mit ihr ist. Ay, das hätte ja keine*r ahnen können. Und ich hätte da am liebsten eine Jacke gehabt, in die ich hätte reinbeißen wollen. Später drückt sie den Anruf des Typen (aka Love Interests) weg und als er dann hinter ihr steht sagt er, dies wäre also der Grund, warum er nicht durchkäme. Aber dann sieht sie noch das Display, auf dem steht: Anruf abgelehnt.Aiko kann sich übrigens nie entscheiden, ob sie jetzt erstmals Angst vor dem Sterben haben würde, oder ob sie schon immer Angst gehabt hätte, und jetzt nicht mehr. Das ist eine von mehreren Sachen, bei denen ich mich frage, warum das Lektorat nicht eingegriffen hat. Genau wie die zahlreichen Plattitüden, die sich in mein Hirn gebrannt haben. Wie oft erwartet Aiko jede Frage, nur genaudiese nicht, die ihr dann just in diesem Moment gestellt wurde? Und dauernd hebt Nakamura ihr Kinn an und dreht ihren Kopf irgendwohin? Sorry, ich habe nicht mitgezählt, aber es war einfach viel zu oft. Offen bleibt, wie man eine Sichel und eine Pistole in einem Flugzeug transportiert kriegt. Aber egal, die sind dann halt einfach durch die Sicherheitskontrollen hinweg mit nach Seattle gekommen. Genauso wenig behandelt wird, wie man einen Leichnam mitten in Seattle einäschert und so schnell dazu auch noch. Aiko wird zwar als sanfte Seele beschrieben, aber nachdem sie (zugegebenermaßen in Notwehr) jemanden tötet, lässt sie sich mit zu einem Taylor Swift-Konzert schleppen. Da hätte ich vielleicht gerade andere Probleme, aber ein echter Swifty kriegt halt keine PTBS. Und dann eine Aussage wie: "Er würde sofort im Gefängnis landen statt im OP-Saal." Ja, ganz bestimmt. In jeder anderen Welt würde er zwar erst im OP-Saal und dann im Gefängnis landen, aber das hört sich halt nicht so dramatisch an.Unerklärlicherweise funktionieren die Chipkarten beim Hintereingang des Krankenhause nicht mehr, als sie einen total kritischen Patienten heimlich einliefern müssen. Also zwar wartet der Artzfreund oben auf sie, aber sie kontaktieren ihn nicht etwa, damit er die Tür aufmacht. Ne, sie rufen lieber Tante und Freundin an, die eine Stunde Anfahrt benötigen, damit diese ein Ablenkungsmanöver für den Haupteingang starten können. Dabei tun Tante und Freundin so, als hätten sie einen schizophrenen Schub. Im Krankenhaus weist sie aber daraufhin niemand ein, nö, die können fröhlich wieder nach Hause spazieren. Faszinierend.Falls ihr übrigens Erotik erwartet bzw. Spice, wie das jetzt heißt - erst recht, weil der Verlag das Buch ab 16 ankündigt. Die meiste Zeit schmachtet Aiko zwar, es passiert aber nichts. Dafür kommt es dann geballt ab circa Dreiviertel des Buches, dafür recht geballt ein paar Szenen. Stilistisch sind die Schilderungen nicht meins, zu oft ist da "jede Faser meines Körpers", die irgendwie reagiert. Positiv finde ich bei den S*xszenen, dass hier Consent sehr wichtig ist und Kondome benutzt werden.Interessant finde ich auch, dass Aiko zuvor anscheinend aromatisch bzw. asexuell geschildert wird, was leider sonst noch viel zu selten thematisiert wird. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es eine adäquate Darstellung ist, wenn einfach "nur" "der Richtige" kommen muss, damit die Asexualität verschwindet. Positiv finde ich dazu die respektvolle Darstellung von mehreren Behinderungen im Buch.Positiv ist auch die ungekürzte Lesung von Belinda Zettelmeier-Jürga, der ich wirklich gerne zugehört habe.Nach 12h 40 min vielem Kopfschütteln und in den Pulli beißen Wollen lande ich bei knappen 2,5 Sternen. Dass hier wirklich respektvoll umgegangen wird und die meisten Männerfiguren keine toxischen Elemente haben, würde fürs Aufrunden sprechen. "Ich hätte jede Frage erwartet, nur diese nicht" habe ich dann einfach wohl einmal zu viel gehört - abgerundete 2,5 Sterne.