Atmosphärisch dichtes Leseerlebnis mit kleinen Abstrichen
Das Haus der Bücher und Schatten des deutschen Autors Kai Meyer ist bereits der dritte Band der Reihe um das Graphische Viertel, in welchem wir der Geschichte aus der personalen Erzählperspektive des zweiundvierzig Jahre alten Cornelius Frey und aus der Ich-Perspektive der dreißig Jahre alten Paula Engel folgen.Auch diesmal erzählt der Autor seine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Im Jahr 1933 lernen wir den Nachtwächter Cornelius Frey kennen, der in der Deutschen Bücherei arbeitet, nachdem er bei der Polizei rausgeworfen wurde. Nachdem er Zeuge eines Mordes vor der Deutschen Bücherei wurde, kehrt er jedoch in den Polizeidienst zurück. Das Mordopfer Josef Zirner war Kriminalkommissar und ein alter Bekannter von Cornelius, während er die junge Emilie Abel einen Tag vor ihrem Tod genau vor diesem bewahrt hat. Cornelius Frey hat es sich zum Ziel gemacht aufzudecken warum die Beiden sterben mussten. Und dabei kommen so manche Geheimnisse ans Licht während der Lese ins obskure Leipzig eintaucht. In der zweiten Zeitebene im Jaahr 1913 reist die Lektorin Paula Engel gemeinsam mit ihrem Verlobten Jonathan nach Livland, um das neueste Manuskript ihres Autors Aschenbrand abzuholen. Nach ihrer Ankunft im Haus Hundsheide passieren jedoch mysteriöse Dinge. Und Paulas Neugierde ist geweckt.Und trotz der in einander verwobenen Zeitebenen und der Vielzahl, der darin enthaltenen Charaktere, habe ich auch diesmal sehr schnell in das Buch Buch und seine Charaktere hineingefunden.Kai Mayer schreibt in Das Haus der Bücher und Schatten wieder mit der gewohnten feinen, poetischen Präzision. Seine Sätze sind sorgfältig komponiert, Bilder und Metaphern sitzen, und selbst ruhige Passagen besitzen eine unterschwellige Spannung. Auch diesmal ist es dem Autor wirder gelungen eine beeindruckende Athmosphäre zu schaffen. Sie gibt durch ihre Dichte dem Leser das Gefühl die Geschehnisse nicht nur vom Rand aus zu beobachten, sondern vielmehr selbst ein Teil der Erlebnisse, der Geschichte zu sein. Der Stil, das Setting und die dichte Athmosphäretragen die Geschichte und machen viele der Szenen besonders eindrücklich. Zwei kleine Wermutstropfen hatte der dritte Band aber dann doch für mich: Trotz, oder gerade wegen, der Komplexität der Geschichte aus einer Vielfalt an Charakteren & ihren Verbindungen zu einander sowie der Erzählzeit über zweii Zeitlinien hinweg ist es dem Autor gelungen die Geschichte spannend und sehr gut durchdacht bis zum zum letzten Drittel des Buches zu erzählen. Dannach ließ der Spannungsbogen für mich leider nach. Mir war die Auflösung insbesondere die Verbindung der beiden Zeitebenen Geschichten im Kontrast zu den ersten beiden Drittel des Buches zu einfach. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht.Im Gegensatz hätte ich mir etwas weniger Esoterik gewünscht. Fazit4¿- für ein atmosphärisch dichtes Leseerlebnis mit einem eleganten, bildstarken Schreibstil und einem Setting, das lange nachklingt. Kleine Abzüge gibt es für die für mich zu präsenten esoterischen Anteile und den abfallenden Spannungsbogen am Ende der Geschichte.Wer atmosphärische Settings und einen poetischen Erzählton schätzt, findet hier viel Lesefreude. Vielen Dank an den Autor und den Verlag für das Rezensionsexemplar.