Inhalt siehe Klappentext.
Vor etwa 2 Jahren hatte ich bereits den ersten Teil der Dresden-Reihe von Anne Stern gehört, vor 10 Monaten folgte Teil zwei, und ich war gespannt auf den Abschluss der Reihe. Mein Plan war, den dritten Band zu lesen, bevor es kurz vor Weihnachten nach Dresden ging. Ich war dort, aber das Buch habe ich doch erst danach gelesen und das war auch gut so. Ich finde, man sollte die Vorgängerbände kennen, um direkt in 1869 einzusteigen, wenn das Königliche Hoftheater seinen Schicksalsschlag erfährt. Elise, inzwischen fast 50, hängt immer noch an Theatermaler Christian, sie kann es nicht leugnen und auch er, seit Jahren in Wien lebend, kann sie nicht vergessen. Elises Familie, Sohn Julius und Ziehtochter Annette, die erfolgreiche Ballerina in Berlin ist und nun in Dresden auftreten soll, und natürlich Arztgatte Leopold wissen nichts von dieser Vergangenheit - wobei Netty etwas ahnt. Ich kann und will Elise nicht verurteilen, warum sie dieses besondere Geheimnis so lange für sich behält, ich denke, was folgt, ist auf seine Weise gut für die ganze Familie. Julius verliebt sich in die jüdische Bankierstochter Rahel und hier merkt man ganz stark, die wie Unterschiede aufgrund von Religionszugehörigkeit damals (und leider auch heute) waren, es wurde gewertet, wo man konnte. Traurig, aber wahr. Nach meinem Opernbesuch in der Vorweihnachtszeit (ja, es war tatsächlich die von den Sachsen und Dresdnern heissgeliebte Zauberflöte) konnte ich den Roman gleich viel besser genießen. Die Schauplätze aus dem Buch habe ich, teilweise unbewusst, auch besucht und konnte so schnell einordnen, wer wann wo war. Für einen Ortsfremden sind Kleinigkeiten wie Pflaumentoffel auf dem Striezelmarkt oder Kräppelchen wohl nicht der Rede wert, aber wer die lustigen Männchen kennt oder auch gerade eines in der Hand hatte, für den ist es eine Erwähnung wert. Die Düfte auf dem Weihnachtsmarkt, die zarten Schneeflocken, natürlich auch der bitterkalte Wind, den ich selbst erlebt habe - es ist eine schöne Erinnerung, auch wenn die Geschichte 155 Jahre in der Vergangenheit liegt. Elise und Täubchen und auch deren Töchter sind für mich ziemlich fortschrittliche Frauen mit eigenem Willen, den man ihnen nicht nehmen sollte. Schön, dass Isidor das doch noch einsieht (oder einsehen muss). Um nicht nur bei den beiden Familien Leitner und Cohn zu bleiben, sollte man, wenn man die Möglichkeit hat, Führungen durch die (Alt-)Stadt und/oder die Semperoper unternehmen. Es gibt so viele Details, die einem unbekannt sind. Ich fand es unheimlich spannend zu lesen, wie der Brand im Gebäude passierte, wie schnell alles ging, bis das Gebäude zerstört war, wer sich danach um die Planung für den Wiederaufbau kümmerte und dass sogar der im Exil lebende Herr Semper nach Dresden zurück kam (das Gespräch mit Flora fand ich wirklich herrlich, das Mädchen besitzt Menschenkenntnis!) und wie schnell auch hier gehandelt wurde. Sehr ergreifend fand ich den Part der Hofgarderobiere Bertha Heise, die für und in der Oper lebte und sehr süß war das Treffen mit dem alten Herrn Spielmann. Samtschwarz die Nacht gehört schon jetzt zu meinen Lesehighlights in diesem Jahr, ein großer Schwung Geschichte über die berühmte und bekannte Oper in einer wunderschönen Stadt (ich war ein paar Tage später in einer anderen bekannten Stadt, diese zog den Kürzeren gegen über dem Elbflorenz), den man unbedingt mitnehmen muss und einer groß angelegten Familiengeschichte inklusive. 5 dicke Sterne und absolute Leseempfehlung - Anne Stern hat wieder wunderbare Arbeit geleistet, man spürt die Magie in den Buchstaben!