Foxglove knüpft direkt an Belladonna an und wirft einen ohne große Schonfrist zurück in diese düstere, viktorianisch angehauchte Welt voller Geister, Intrigen und personifizierter Konzepte wie Tod und Schicksal. Und das muss ich dem Buch lassen: Der Einstieg fiel mir deutlich leichter als in Band 1. Ich war schneller wieder drin, kannte die Regeln der Welt, die Atmosphäre und die Figuren - das hat geholfen.Aber: Mein größtes Problem bleibt, wie schon im ersten Band, der Schreibstil. Er ist mir zu blumig und stellenweise zu schwülstig. Viele Gedanken wiederholen sich, besonders bei Signa, was dazu führt, dass Szenen ihre Wirkung verlieren, weil sie zu lange ausgewalzt werden.Das Worldbuilding ist weiterhin einer der stärkeren Aspekte: die morbide Gesellschaft, der Umgang mit Tod, Vergiftung, Geistern und öffentlichem Ruf, dazu die Idee von Tod und Schicksal als handelnde Wesen - das alles ist atmosphärisch und eigentlich genau mein Beuteschema. Auch die Figurenkonstellation funktioniert grundsätzlich gut. Signa ist hin- und hergerissen, Blythe bleibt eine angenehm pragmatische Konstante, und Aris bringt Spannung, Manipulation und moralische Grauzonen mit.Der große Schwachpunkt für mich war allerdings der Mittelteil. Der zieht sich wirklich wie Kaugummi. Die Ermittlungen rund um den Mord, politische Spielchen und emotionale Zerrissenheit drehen sich lange im Kreis, ohne dass sich spürbar etwas verändert. Ich musste mich stellenweise richtig durchkämpfen.Dafür haben es die letzten ca. 100 Seiten absolut in sich. Endlich kommt Tempo rein, Enthüllungen folgen Schlag auf Schlag, Beziehungen kippen, Loyalitäten werden infrage gestellt - und plötzlich war ich komplett gefesselt. Das Finale macht vieles wett und sorgt definitiv dafür, dass man wissen will, wie es weitergeht.