Nach dem ersten Band hatte ich mich auf die Fortsetzung gefreut. Und auch dieser zweite Teil liest sich zunächst angenehm schnell weg. Kurze Kapitel, Perspektivwechsel und eine klassische Ermittlungsstruktur sorgen dafür, dass man gut durch die Geschichte kommt. Besonders positiv bleibt für mich die bodenständige Polizeiarbeit. Die Ermittlungen bestehen überwiegend aus Befragungen, kleinen Spuren und logisch aufgebauter Ermittlungsarbeit - das wirkt angenehm realistisch und erinnert eher an einen guten "Tatort" als an einen überdrehten Thriller.Sehr gelungen ist außerdem, dass die Autorin den Leser immer wieder auf falsche Fährten lockt. Mehrere Verdächtige wirken plausibel und man bleibt lange unsicher, wer tatsächlich hinter allem steckt. Das funktioniert als Krimi-Mechanik wirklich gut.Allerdings zeigt der Roman auch deutliche Schwächen. Besonders der zweite Erzählstrang rund um Rebecka wirkt zunehmend unausgegoren. Während die Ermittlungen in der Gegenwart ausführlich erzählt werden und mehrere Kapitel pro Zeiteinheit umfassen, springen Rebeckas Kapitel oft sehr schnell durch größere Zeiträume und werden zum Ende hin immer kürzer. Dadurch entsteht eine gewisse Asynchronität zwischen den Handlungssträngen, die das Lesen unnötig kompliziert macht. Man muss als Leser ständig selbst rekonstruieren, wo sich die Figuren zeitlich gerade befinden.Hinzu kommt, dass die Figurenzeichnung insgesamt eher oberflächlich bleibt. Viele Charaktere wirken etwas hölzern oder schematisch angelegt. Auch die Erzählstimme erklärt dem Leser häufig sehr viel direkt, statt Situationen oder Gedanken über Dialoge und Handlung entstehen zu lassen. Dadurch geht leider einiges an Tiefe verloren.Am Ende hinterlässt auch die Auflösung einen gemischten Eindruck. Zwar wird man bis zuletzt auf verschiedene Spuren geführt, doch die entscheidenden Hinweise tauchen letztlich eher zufällig auf, statt das Ergebnis konsequenter Ermittlungsarbeit zu sein. Das wirkt ein wenig konstruiert und nimmt dem Finale etwas von seiner Wirkung.Trotz dieser Kritikpunkte bleibt der Roman gut lesbar und kurzweilig. Die solide Krimihandlung und die vielen falschen Fährten sorgen dafür, dass man bis zum Ende wissen möchte, wie sich alles auflöst. Ein solider Nordic-Krimi für zwischendurch - allerdings ohne die Tiefe oder Raffinesse, die ihn wirklich herausragend machen würden.