Ich wollte das Buch bereits lesen, seit es herausgekommen ist, da ich ein großer Fan der Edelsteintrilogie und von Silber 1 bin. Die ProtagonistenDer Rückmeldung von vielen Rezensenten, dass die Hauptcharaktere klischeehaft sind, kann ich mich überhaupt nicht anschließen. Ich fand die Protagonisten tatsächlich sehr gut ausgearbeitet. Da man abwechselnd aus beiden Perspektiven gelesen hat, hat man eben ganz schnell gemerkt, dass Quinn eben nicht der typisch oberflächliche, beliebte Typ ist, sondern mit seinemschwerenUnfall ziemlich tapfer umgeht (Humor scheint seine Bewältigungsstrategie zu sein) und Mathilda auch nicht das typische Mauerblümchen, da sie offensichtlich anders ist als der Rest der Familie und nicht zu allem Ja und Amen sagt. Quinn fand ich zu meiner eigenen Überraschung total relatable, witzig und sympathisch und man konnte sich komplett vorstellen, dass so ein Junge in seinem Alter wirklich denken würde, was nicht allen weiblichen Autoren gelingt. Selbst im Angesicht seines Unfalls blieb er sich selbst treu und hat seinen Charme nicht verloren. Er glaubt daran, dass er bald wieder fit ist und trainiert hart dafür. Er verliert die Zuversicht und den Lebenswillen nicht, das muss ihm mal erst mal jemand nachmachen.Idee und WeltenbauDie Idee mit der Saumwelt und den Ewigen fand ich ebenfalls super. Was mir nicht gefallen hat, war dann die Umsetzung und die Welt im Saum an sich. Der Anfang war super stark, unvorhersehbar, originelle Nebencharaktere und Weltenidee aber dann ging es leider bergab.Es kamen für meinen Geschmack viel zu viele Fantasy-Wesen auf einmal vor. Es kam mir teilweise vor, als hätte man einem Grundschulkind den Auftrag gegeben, möglichst seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und alle Fantasie-Gestalten, die es so kennt, in die Geschichte zu klatschen, ohne darauf zu achten, ob das denn jetzt wirklich sein muss oder notwendig/hilfreich für die Story ist. Die Funktionsweise der Saumwelt hat zu sehr an Silbers Traumwelt erinnert (aber als schlechter Abklatsch), da man ja auch alles mithilfe seiner Gedanken erschaffen konnte. Ich verstehe auch absolut nicht, warum Kerstin Gier dachte, es ist eine gute Idee, eine Xemerius-Kopie (Verweis auf Edelstein-Trilogie) einzubringen und auch noch auf einen Cousin in London anzuspielen, als hätte Giers eigene Protagonistin Matilda Kerstin Giers Bücher gelesen. Ich mag es gar nicht, wenn Autoren in ihren Geschichten auf andere Veröffentlichungen zu sprechen kommen. Das riss einen etwas aus der Logik der Welt und man wurde sich bewusst, dass es eben ausgedacht ist, was man bei guten Büchern ja eigentlich vergessen soll. Auch bekam man dadurch schnell das Gefühl, Gier hätte nichts Neues, Originelles erschaffen, sondern einfach ein Potpourri aus ihren bereits veröffentlichten Büchern erstellt. Ähnlich wie eine Fanfiction. NebencharaktereQuinns Eltern fand ich auch sehr originell und authentisch. Man hat sich in seiner Familie irgendwie wohlgefühlt. Und auch durchaus gemerkt, dass nicht alles so gestriegelt ist, wie Quinns Beliebtheit es vermuten lassen würde. Seine Mutter beispielsweise hat eine Vorliebe für kunterbunte Klamotten und wirkt auch sonst teilweise etwas exzentrisch. Lasse, Quinns Kindheitsfreund, mit dem er allerlei Blödsinn angestellt hat und der ein kleines Sensibelchen ist, fand ich auch sehr dreidimensionell, man konnte ihn sich gut vorstellen. Luise und Leopold, die nervigen Cousins von Mathilda, waren ebenfalls gut überlegt, allerdings fand ich, dass sie manchmal doch etwas zu klischeehaft und unrealistisch nervig waren. Quinns Psychotherapeutin war gut gelungen und seine Abneigung ihr gegenüber absolut authentisch dargestellt, sein Physiotherapeut auch. Leider habe ich hier aber auch bereits früh geahnt, welche Rolle einer der beiden später noch spielt.So gut einige Charaktere ausgearbeitet waren, so flach fand ich dann leider manche der Nebencharaktere. Die Feen waren für mich alle irgendwie gleich, Emilian und Hyazinth hätte man anhand des Charakters nicht auseinanderhalten können.LiebesgeschichteGegen Ende des Buches wurde es mir zwischen Quinn und Matilda teilweise auch etwas zu schnulzig, vor allem als Matilda ein Wochenende Hausarrest bekommt und sich so aufführt, als wäre es das Ende der Welt, ein paar Tage nicht mit Quinn schreiben zu können.Generell fand ich die Liebesgeschichte zwischen den beiden aber süß, passend und auch glaubwürdig. Es ist nachvollziehbar, dass man teilweise besser mit jemandem zusammenpasst, von dem man vorher denkt, er ist total unsympathisch, einfach weil man die Person gar nicht richtig kennt. Auch dass die beiden sich von Lillys Aussage, Matilda hätte nur die Krankenschwester gespielt und Quinns Unfall ausgenutzt, um sich an ihn ranzumachen, nicht verunsichern lassen haben, fand ich stark.Insgesamt gebe ich dem Buch3,5 Sterne. Man konnte es super schnell weglesen, da es trotz der beschriebenen Mängel unterhaltsam war. Die beiden Hauptcharaktere fand ich super, die Nebencharaktere und Handlung ließen für mich leider zu wünschen übrig.