So schwankend der Beziehungsreigen, so schwankend die Sprache dieses Romans ...
Von dem Buch geht eine rätselhafte Anziehungskraft aus. Das ist allerdings kaum dem Faktor "grandiose Literatur" zuzuordnen, sondern eher der Umschreibung: "Wann bekommt dieser wankelmütige Mensch endlich sein Leben in den Griff." Zumal seine Traumfrau endlich gefunden zu sein scheint, die Verbindung mit der Ex auch irgendwie befriedigend gelöst werden konnte (bis auf einen recht amüsant geschilderten Ausrutscher) - und dem großen Glück eigentlich nicht mehr im Wege stehen dürfte.Und wie es so ist, im richtigen Leben, steht man sich oftmals selbst im Wege und wunderte sich dann, dass irgendwann der Zug abgefahren ist, die Chance(n) vertan, und man im Rückblick sich seines Zauderns, seiner Schwächen bewusst werdend, wie ein geprügelter Depp vorkommt. Schlimm wird es dann, wenn man dann auch noch die eigene Bestrafung übernimmt.Auf diese psychologisch teils fein, teils derb geschilderte Achterbahnfahrt von Liebe und Erotik, von Sehnen und Begehren, von Nähe und Distanz bindet uns der Autor geschickt ein. Doch nicht immer gelingt der Anschluss an das Geschehen, da ein Zuviel des (Selbst)Zweifel(n)s, ein Zuviel an Unsicherheit und Larmoyanz irgendwann auch ein "Genug!" erfordert. Und so zieht sich denn die Geschichte einer unglücklichen Beziehung, begleitet von Selbstgesprächen des Ich-Erzählers, durch manch trübe Episode. So schwankend der Beziehungsreigen, so schwankend die Sprache dieses Romans; sie reicht von primitiv-vulgär bis fein austariert, mit feinen Spitzen in beide Richtungen. Gelungene Metaphern ("Sie scrollen in ihren Handys, keine Musik, keine Gespräche, die Gesichter sind von unentwegten Gestiere ausdruckslos und leer wie geplünderte Registrierkassen.") runden das sprachliche Bild ab und machen den Roman zwar zu keiner Hochliteratur, aber dennoch zu einem Buch, dass man irgendwie nicht achtlos zur Seite legen mag.(27.2.2023)