Ein Strandspaziergang mit Folgen und einer hübsch dargebotenen Leiche
Verlorene Lieben, gestohlene Herzen, unendliches Leid - der Blues hat Louisiana fest im Griff. Und wenn der Zirkus in die Stadt kommt, wird aus dem Herzschmerzrhythmus schon bald ein teuflisches Inferno, das einem die Sinne trübt. Es sei denn, man heißt Dave Robicheaux und lässt sich nicht so leicht hinters (Scheinwerfer-) Licht führen.Der Reihe nach. Desmond Cormier ist erfolgreicher Filmproduzent. Er gönnt sich ein sorgenfreies Leben im Süden. Als Kind hatte er nichts, außer dem Traum allen, die ihn für einen Versager hielten, zu beweisen, dass er doch zu etwas nütze ist. Und dass er es einmal schaffen wird. Nun ist er reich, berühmt, hat etwas geschafft und zeigt das nun allen Spöttern.In der Nähe von seinem Strandhaus ist Dave Robicheaux unterwegs - belassen wir es bei dieser allgemeinen Formulierung. Wie aus dem Nichts stolpert er über eine Leiche. Nun ist das nichts Neues für ihn, schließlich ist er die Spürnase Nummer Eins im Süden. Doch die seltsame Darbietung des Toten, des Todes, überrascht selbst ihn. Ein Kreuz, fast schon ritualisiert liegt die junge Frau vor dem Ermittler. Dave rechnet schnell mal zusammen. Ein ehrgeiziger Produzent, der von einem giftigen Ego angetrieben wird. Eine Filmcrew, die sich für Zelluloid-Götter hält, wobei die meisten das leicht brennbare Material aus der vordigitalen Zeit nicht einmal mehr kennen dürften. Der Süden mit all seinen unmenschlichen Vorurteilen. Und dann auch noch die anderen Toten. Die auf ähnliche Art und Weise ins Jenseits befördert wurden. Serienkiller? Racheakte? Perfide Machtspiele? Clan-Krieg? Im Kopf von Dave Robicheaux rumpelt es ordentlich Hin und Her. Im schlimmsten Fall ist es ein gefährlicher Coktail aus allem. Und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr Zutaten.Brechstange und Raffinesse gehen in "Blues in New Iberia" eine heilige Allianz ein. Als Alafair, Daves Tochter, in den Sog der Filmcrew gerät, wird es brenzlig. Da ist so ein Gefühl, dass man nicht greifen, ja, nicht einmal in Worte fassen kann. Dave Robicheaux hart nur eine Wahl: Vorsichtig bestimmt dem Treiben auf den Grund zu gehen, ohne dabei zu viel Bodensatz aufzuwirbeln. Denn der Gegner hat krakenartige Extremitäten, mit denen er zu extremen Dinge in der Lage ist.James Lee Burke slappt den Bass, er schreit den Schmerz heraus, er stampft voller Wut auf den sumpfigen Boden - das ist der Blues, der jeden Körper zum Mittanzen einlädt. Also, rauf auf die Tanzfläche und mitgemacht. Man kommt ins Schwitzen, erlebt den Süden wie die Einheimischen und wiegt sich am Ende zufrieden im Takt der Gerechtigkeit.