Kluftis Fettnäpfchen gehören dazu. Doch wenn ihn alle sehenden Auges auflaufen lassen, kippt der Humor für mich endgültig in Fremdscham.
Kluftinger gehört für mich inzwischen mehr in Richtung Cosy Crime / Lokalkrimi als zum klassischen Krimi. Nach acht Bänden sollten Leser der Reihe aber ohnehin wissen, worauf sie sich einlassen.Und ja: Die Bücher werden insgesamt besser. Gleichzeitig gibt es in jedem Band Situationen, bei denen ich mich frage: Warum?!Diesmal erhält Kluftinger eine weibliche Vorgesetzte - und nicht nur ihm, sondern seinem gesamten Team wird damit ein Stück weit das gewohnte Weltbild auf den Kopf gestellt.Plötzlich ist da jemand, der den Umgang mit Richard Maier tatsächlich als Mobbing wahrnehmen könnte. Jemand, der beobachtet, wie dieses Team miteinander umgeht, und sogar einen Wert in Schulungen sieht.Das Buch stammt von 2013/2014, aber es tut trotzdem weh, über eine dermaßen digital ungebildete Kripo zu lesen. ¿ Leider macht das die Darstellung dieser Altersgruppe nicht unbedingt weniger realistisch.Natürlich steht auch Kluftingers Privatleben wieder stark im Fokus. Diesmal mit dem Stress einer Familienfeier namens Hochzeit.Auf der einen Seite sollen Erika und Klufti durchaus gleichberechtigt agieren. Auf der anderen Seite haben beide nicht den Arsch in der Hose, Kluftingers Mutter auch einmal übers Maul zu fahren.Was die teilweise loslässt, geht auf keine Kuhhaut. Man kann das Alter eines Menschen respektieren und trotzdem Grenzen setzen. Sie behandelt ihren erwachsenen Sohn teilweise immer noch, als wäre er in der Grundschule.Auch an Markus Kluftinger kann ich in diesem Band wenig Positives finden. Er ist dabei, die Japanerin Yumiko zu heiraten, entsprechend werden auch ihre Eltern zur Hochzeit eingeladen.Markus kennt seinen Vater. Er bekommt im Laufe der Geschichte zudem dessen Interaktionen mit Yumikos Eltern mit. Trotzdem schreitet er nicht ein und klärt Missverständnisse nicht auf.Wie idiotisch ist es, einen kulturellen Analphabeten auf eine ihm vollkommen fremde Kultur loszulassen und anschließend zu erwarten, dass er kein schlechtes Bild abgibt?Stattdessen darf Kluftinger jeden erdenklichen Fettnapf mit Anlauf nehmen und anschließend darin schwimmen. Sei es, weil er die Sprache nicht versteht, oder weil er an anderer Stelle ein Englisch benutzt, bei dem sich mir die Fußnägel aufstellen. Meine Sorge war zwischenzeitlich tatsächlich, dass man sich bei dem ganzen Denglisch versehentlich die falschen Sätze merkt. ¿Bereits beim Videocall hätte einer der beiden Verlobten als Dolmetscher agieren müssen - inklusive kultureller Übersetzung, wenn notwendig. Aber nein: Markus macht sich lieber über seinen Vater lustig und wundert sich anschließend über Missverständnisse.Und genau da funktioniert der Humor für mich teilweise nicht mehr.Das Problem ist nicht, dass Kluftinger sozial unbeholfen ist. Das gehört zur Figur und zum Humor der Reihe. Problematisch wird es dort, wo sein Umfeld Situationen bewusst laufen oder eskalieren lässt, damit Kluftinger sich blamieren kann.Einige der "kulturellen Scherze" waren für mich deshalb weniger lustig als geschmacklos und flach.Es ist ein bisschen wie ein Autounfall - oder besser: wie eine Situation, die man beobachtet und bei der man sich fremdschämt. Irgendwann denkt man nicht mehr: "Oh Gott, Klufti, was machst du denn jetzt wieder?", sondern nur noch: "Kann bitte endlich jemand eingreifen? Ihr wisst doch alle, was gerade passiert."