Der ComicCheckmateerschien von 2020 bis 2023 als Webtoon im Umfang von 114 Kapiteln. Davon entfallen 103 Kapitel auf die eigentliche Geschichte. Die restlichen elf Kapitel sind Sonder- bzw. Zusatzkapitel (side story). Band 1 der deutschen Printausgabe enthält die Kapitel 1 bis 13 des Comics.In ästhetischer Hinsicht ist der Comic gewöhnungsbedürftig, und das gleich doppelt. Die Künstlerin benutzt eine Farbpalette, die wenig anziehend ist und dem Auge nicht schmeichelt. Es dominieren ausgewaschene, kraftlose Beige-, Braun-, Grau- und Olivtöne. Hinzu kommt ein exzessiver Gebrauch der Farbe Schwarz. Die Rückblenden sind komplett in Schwarz-Weiß gehalten (Kap. 1, 5). Das zweite Manko: Die Figuren haben spitze, zackenartige Himmelfahrtsnasen und riesige Hände, die im Verhältnis zu den Köpfen viel zu groß sind (besonders schlimm: S. 134/135, 254, 271). Die visuelle Wirkung des Comics ist stellenweise ungefällig. Nun zur Geschichte. Die Künstlerin bemüht sich erkennbar um einen originellen Einstieg, verzichtet auf abgedroschene, klischeehafte Story-Elemente, wie sie in vielen BL-Comics vorkommen, z.B. das Motiv der Schuldknechtschaft.Checkmate ist eine Geschichte über Groll, Besessenheit und Rachebedürfnis, die ihren Anfang nimmt im koreanischen Schulsystem mit seinem starken Leistungsdruck und Konkurrenzdenken. Die beiden gleichaltrigen Protagonisten besuchen jahrelang dieselbe Schule. Als Teenager steht der strebsame und ehrgeizige Suhyeon fortwährend im Schatten seines Mitschülers Eunseong. So sehr er sich auch anstrengt und abmüht, er wird niemals Jahrgangsbester. Suhyeon ist die ewige "Nummer Zwei", belächelt und bespöttelt von seinen Klassenkameraden. Scheinbar mühelos erreicht der arrogante, erfolgsverwöhnte und beliebte Eunseong mehrmals hintereinander die Spitzenposition im Jahrgangsranking. Neid und Groll ergreifen von Suhyeon Besitz. Er verlässt die Schule mit dem Gefühl, Eunseong habe ihm etwas weggenommen, das ihm zusteht.Die Jahre vergehen. Suhyeon fristet ein langweiliges Dasein als kleiner Büroangestellter. Zufällig erfährt er aus den Nachrichten, dass Eunseong in einen Skandal verwickelt ist: Er hat sich mit einem berühmten Künstler entzweit, in dessen Atelier er arbeitet. Lehrer und Schüler machen sich die Urheberschaft eines Gemäldes streitig. Suhyeon ist sofort gefesselt. Den Groll aus Schulzeiten hat er sorgfältig gehegt und am Leben erhalten. Groß ist seine Schadenfreude, als Eunseongs Künstlerkarriere jäh ins Stocken gerät. In seiner Besessenheit gibt Suhyeon seinen Job auf und wechselt ins Journalistenmetier. Als Reporter für eine Nachrichtenagentur schreibt er Artikel, die Eunseong negative Publicity einbringen. Zwei Jahre nach dem Skandal schafft es Suhyeon, persönlich zu seinem einstigen Rivalen vorzudringen. Er nutzt seine Stellung als Reporter aus, um Eunseong zu bedrängen, ja regelrecht zu verfolgen. Seine Pläne sind diffus, sein Bedürfnis nach Vergeltung dafür umso konkreter, wie seine Gedankengänge zeigen: "Ich möchte dich so weit nach unten ziehen, wie es nur geht" (S. 222). Aber Eunseong, der den aufdringlichen Reporter nicht wiedererkennt, ist schwer zu packen. Er ist intelligent, durchtrieben und Suhyeon verbal deutlich überlegen. Wieder und wieder schafft er es, Suhyeon auflaufen zu lassen und aus dem Konzept zu bringen. Das Unerhörte geschieht: Eunseong überwältigt Suhyeon und stillt seine Lust an ihm (Kap. 5 bis 7). Suhyeon lässt das widerwillig über sich ergehen, um sein Intrigenspiel fortsetzen zu können. Als nächstes macht er sich an den Künstler Munseob Park heran. Was genau ist seinerzeit zwischen ihm und Eunseong vorgefallen? Und lässt sich daraus vielleicht Profit schlagen? In Parks Atelier, wo auffällig viele Schüler herumwimmeln, macht Suhyeon einige irritierende Beobachtungen.Mehr als drei Sterne kann ich dem Band nicht geben. Den Einstieg in die Geschichte finde ich nur mäßig gelungen. Die beiden Rückblenden erklären nicht hinreichend das Ausmaß von Suhyeons Besessenheit und Rachebedürfnis. Hoffentlich wird in weiteren Rückblenden ausführlicher dargestellt, was zu Schulzeiten zwischen den Rivalen vorgefallen ist. Es ist nicht besonders realistisch, dass Suhyeon zwei Jahre nach dem Skandal Kapital aus dem Zerwürfnis zwischen Eunseong und dem Künstler Park schlagen will. Wer interessiert sich denn für die Skandale von vorgestern? Positiv ist anzumerken, dass die beiden Protagonisten die Bühne nicht allein beherrschen. Es bleibt genug Raum für die Nebenfiguren, von denen einige potentiell interessant sind.