Starkes Worldbuilding, schleppende Handlung und Gefühle, die es nicht bis zu mir geschafft haben.
Wissen ist Macht. Vergessen vielleicht eine Chance? Aus Helenas Gedächtnis sind die letzten zwei Jahre, in denen sie als Heilerin dem Widerstand gedient hat, restlos ausradiert. Kaine Ferron soll sie nun dazu bringen, sich zu erinnern und die letzten Geheimnisse des Widerstands aufzudecken. Zwischen alchemistischer Gewalt und einem Kampf ums Überleben werden die Antworten ihre beiden Leben durcheinanderbringen.Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an "Alchemised" herangegangen. Gefühlt kam man auf BookTok kaum an all den Videos vorbei, die das Buch als ein Lebenshighlight bezeichnet haben. Die zwar davon sprachen, dass die ersten zwei- bis dreihundert Seiten etwas zäh wären, das Buch einen danach aber emotional zerstören würde. Auch wenn ich sehr gehofft habe, dass mich das Buch ebenso abholt, hat es das leider nicht. Zumindest nicht in allen Punkten.Wirklich herausragend, fand aber auch ich das Worldbuilding. Die Welt ist so durchdacht, dass ich tatsächlich das Gefühl hatte, Paladia und die alchemistische Kunst würden wirklich existieren. Ich habe all die kleinen Details, Wortneuschöpfungen und Erklärungen geliebt, die teilweise für die Handlung gar nicht relevant waren, die Welt aber umso runder, echter und tiefer wirken ließen. Für mich waren solche Szenen oder Momente gefühlt das Beste am ganzen Buch.Auch die ersten dreihundert Seiten fand ich ehrlich gesagt überraschend stark. Man wird direkt in die Handlung hineingeworfen, steht mit unzähligen Fragezeichen da und muss sich alles irgendwie selbst zusammenbasteln. Gerade dass man aufmerksam lesen und wirklich mitdenken musste, habe ich unglaublich gemocht. Zäh wurde das Buch für mich erst danach. Die Handlung wurde insbesondere in der Mitte immer repetitiver und teilweise einfach ereignislos. Es gab zwar ständig neue Informationen und Enthüllungen, trotzdem hatte ich irgendwann das Gefühl, dass die Geschichte kaum noch vorankommt.Mein größtes Problem hatte ich leider mit den Protagonisten. Helena war für mich als eine Figur, die diesen 1200-Seiten-Roman tragen soll, einfach zu eindimensional. Sie macht gefühlt kaum eine Charakterentwicklung durch, was mich stellenweise wirklich wütend gemacht hat. Kaine mochte ich etwas mehr, aber auch er konnte kaum etwas dazulernen oder einmal von seiner ersten Meinung abrücken. Zwischen den beiden entsteht eine starke Push-and-Pull-Dynamik, die mich leider überhaupt nicht abgeholt hat. Dafür war ich von beiden Charakteren einfach zu genervt. Und genau das wurde für mich im Verlauf des Buches zu einem immer größeren Problem: Je weniger ich mit den beiden mitfühlen konnte, desto weniger haben mich auch die emotionalen Höhepunkte der Geschichte erreicht. Nach dem starken Anfang hat mich das Buch deshalb emotional kaum noch mitgenommen.Ironischerweise waren es dann ausgerechnet die Nebenfiguren und die verschiedenen Fraktionen, die mich deutlich mehr interessiert haben. Gerade die Ewige Flamme und die Todeslosen fand ich unglaublich spannend, weil beide Parteien für mich weder eindeutig schwarz noch weiß waren. "Alchemised" war für mich am Ende einfach etwas durchwachsen. Ich habe das Gefühl, ich konnte das Buch zwar in einigen Punkten bewundern, doch habe ich mich in der Geschichte einfach nicht verlieren können