Hannah und Julie könnten unterschiedlicher nicht sein und doch kreuzt sich ihr Weg und sie werden Freundinnen. Hannah, die aus einfachen Verhältnissen stammt und den Hof ihres Vaters übernimmt, was für 1912 absolut unüblich war. Und Julie, die in beste Verhältnisse geheiratet hat, aber äußerst unglücklich in ihrer Ehe ist. Der goldene Käfig engt sie ein und so sucht sie einen Weg in ein selbst bestimmteres Leben. Doch dann kommt der Krieg und beide Frauen müssen nicht nur um ihre Eigenständigkeit kämpfen.
"Zwei Frauen" spielt kurz vor und während des ersten Weltkrieges. Zunächst ist der Krieg kein Thema und die Geschichte konzentriert sich mehr auf die persönliche Geschichte und Entwicklung der beiden Frauen. Zunächst lernt man sie getrennt voneinander kennen. Abwechselnd kommen sie in eigenen Kapiteln zu Wort, was mir gut gefallen hat. Das Leben der beiden Frauen, die Gefühle und die Sicht aufs Leben aus ihren jeweiligen Perspektiven kennenzulernen war wirklich schön.
Von Anfang an ist die Geschichte sehr emotional. Starke Frauen, starke Persönlichkeiten, die in einer Welt leben müssen, die von Männern dominiert wird. Die so viel mehr von ihrem Leben wollen und auf deren Reise wir als Leser sie begleiten dürfen. Das hat mir unheimlich gut gefallen. Als dann der Krieg und persönliche Schicksalsschläge dazu kommen, wird die Geschichte noch emotionaler. Hautnah erfährt man, wie das Leben die beiden Frauen verändert.
Tatsächlich finde ich aber auch, dass das Thema Krieg zwar so eingebunden ist, dass man die Auswirkungen lesen kann, aber er steht nicht so im Fokus, wie ich das schon in anderen Büchern hatte. Und das finde ich hier genau richtig.
Der Schreibstil überzeugte mich von der ersten Seite an. Ich war super schnell in der Geschichte drin und bin nur so durch die Seiten geflogen. Der unheimlich flüssige und emotionale Schreibstil sorgte dafür, dass ich die Geschichte richtig gerne gelesen habe. Katja Maybach schafft es so bildlich und einfühlsam zu schreiben, dass ich das Gefühl hatte, ich würde Julie und Hannah selbst kennen. Die beiden Frauen waren mir so nah und ich konnte mich unheimlich gut in ihre Gefühlswelt eindenken.
Hannah und Julie sind tolle Protagonistinnen. So unterschiedliche Frauen, so beeindruckende Persönlichkeiten. Gerade vor Hannah habe ich von der ersten Seite an meinen Hut gezogen. So durchsetzungsfähig und willensstark. Sie kämpft gegen so viele Widerstände und bleibt dabei trotzdem die Frau, die sie gerne sein möchte. Bei Julie sieht man im Verlauf die stärkere Entwicklung vom goldenen Käfig hinaus in die große Welt.
Neben der emotionalen und super interessanten Geschichte um die beiden Frauen, gibt es dann auch noch eine Liebesgeschichte, bzw. eigentlich sogar zwei. Es war so schön zu lesen, wie die beiden Frauen mit dem Thema Liebe umgehen und auch hier ihren eigenen Weg finden.
Ein rundum gelungenes, sehr gut zu lesendes Buch, das vor allem von der beeindruckenden Entwicklung zweier Frauen erzählt, die in einer Zeit leben, in der Männer das sagen haben und ein großer Krieg seinen Schatten über alles wirft.