Die Leiche einer alten Frau wird nahe der Mühle von Kristinestad gefunden. Niemand kennt sie, niemand vermisst sie. Mats hat alle Hände voll zu tun, um überhaupt herauszufinden, wer diese Unbekannte war. Wie sie dort gelandet ist, bleibt ihm allerdings weiter ein Rätsel.
Eevi hat sich währenddessen für eine Fruchtbarkeitsbehandlung entschieden, um endlich schwanger zu werden. Im Rahmen ihrer Arbeit bei der örtlichen Zeitung führt sie ein Interview mit einer von Kristinestads ältesten Bewohnerinnen und die löst das Rätsel um die unbekannte Tote
Nach dem ersten Teil dieser Reihe war ich interessiert herauszufinden, wie es weitergeht in Kristinestad und mit den beiden Protagonisten Eevi und Mats. Nach dem ersten Fall hatte ich bereits erwartet, dass es vermutlich wieder heftig wird, und ich hatte recht.
Als meine Mutter noch lebte pflegte ich sie bis knapp vor ihrem Tod. Ich gab meine Arbeit auf, nachdem ich sie eines Abends unterkühlt im Badezimmer gefunden hatte, wo sie bereits seit Stunden lag, ohne sich helfen zu können. Zur Info: Meine Mutter saß im Rollstuhl, nachdem ihr das linke Bein bis übers Knie hatte amputiert werden müssen. Und sie litt an Demenz.
Viele kennen Alzheimer, wenige aber Demenz. Dabei sind viele der Symptome die gleichen: Vergesslichkeit, das Abdriften in die Vergangenheit, das Nicht-Wiedererkennen bekannter Personen und Gesichter. Es geht aber noch weiter. Manche Demenz-Kranke werden aggressiv, viele verweigern Nahrung und Wasser. Es ist schwer, vor allem mental, sich tagtäglich mit einem solchen Menschen auf engstem Raum aufzuhalten und zu leben. Ich schreibe das nicht, weil ich Mitleid will, sondern um vielleicht ein bisschen mehr Verständnis zu erzeugen.
Die anfänglich erwähnte Tote litt an Demenz im fortgeschrittenen Stadium. Und das schlug bei mir wie eine Bombe ein als ich das las. Vieles von dem, was ich mit meiner Mutter erlebt habe (Göttin sei Dank war sie nicht gewalttätig!), fand ich zwischen den Zeilen oder auch offen in diesem Roman. Und ich war dankbar, darüber zu lesen, denn, wie gesagt, Alzheimer kennt jeder, seinen schleichenden und nicht weniger gefährlichen Cousin dagegen nur sehr wenige.
Ich mag die Art, wie Tuokko schreibt. Ihre Figuren springen geradezu von den Seiten, jeder ist ein eigenständiger Charakter, selbst jemand, der nur ein oder zwei Sätze zu sagen hat und nur für eine Szene auftaucht. Das gibt dem Roman Tiefe.
Der Ort Kristinestad wird weiter beleuchtet, außerdem lernt man in diesem Buch auch die Stadt Vaasa kennen, zumindest oberflächlich. Und auch hier gilt, die Beschreibungen sind herrlich lebendig, dass es beim Lesen ist, als würde man auf eine Leinwand schauen und einen Film sehen. Ich liebe solche lebendigen Bücher!
Alles in allem ein weiterer solider Krimi vor einer wunderschönen Kulisse mit spannenden Handlungen und Nebenhandlungen und einem gemeinen Cliffhanger!