Den ersten Band der Serie, der von Enyas Schwester handelt, kenne ich noch nicht und habe dennoch von der ersten Seite an problemlos in die Geschichte hinein finden können und bin nur so durch die Kapitel geflogen.
Bereits der Klappentext hat mich sehr angesprochen, da das Buch zwei meiner favorisierten Handlungsthemen - Sklavereigegnerschaft und wachsende Liebe in arrangierten Ehen - zu vereinen versprach. Sullivan erfüllt dabei vollstens meine Vorliebe eines barmherzigen, integren und ausdauernd werbenden männlichen Protagonisten; gleichzeitig machen seine eigenen Zweifel und Entwicklungen ihn nahbar, menschlich und noch sympathischer.
Sowohl Sullivan als auch Enya sind charakterstarke Individuen, deren Sichtweisen, Gedanken und innere Kämpfe gut erlebbar werden.
Die sanft dargestellten Unsicherheiten und emotionalen Verletzungen der beiden haben mich berührt und am Heilungsprozess mitfiebern lassen.
Hedlunds Schreibstil ist wie gewohnt eingängig und angenehm, die Handlung eher sanft mit wenig Rahmenhandlung und starkem Fokus auf dem Beziehungsgeschehen. Dem Sklaverei-Thema kommt nicht die Bedeutungsebene zu, die ich mir erhofft hatte.
Für einen christlichen Roman liegt mir das Augenmerk zu sehr auf dem Ehebett bzw. körperlicher Anziehungskraft und zu wenig auf gehaltvollen Glaubensaspekten. Das finde ich bei Hedlund Büchern häufiger nicht ausgewogen genug und lässt sich auch dieses Mal als Kritikpunkt anführen. Die Aussagen und intrapersonalen Entwicklungen am Ende sind schön, aber ohne theologische Tiefe.
Zudem finde ich es nicht ganz stimmig, dass Sullivan so problemlos über das zu der damaligen Zeit so bedeutungsschwere aufgelöste erste Eheversprechen und die Beflecktheit Enyas hinweggeht.
Der Roman ist für mich deshalb alles in allem kein Meisterwerk, jedoch wirklich nett und leicht zu lesen.