>>Nähe ist nie politisch unbedeutsam. Das zeigt sich in den Momenten, in denen sie verweigert wird.<<
Mit Rechten leben beschäftigt sich mit einer Frage, die für viele Menschen immer drängender wird: Wie geht man damit um, wenn im Arbeitsalltag, in der Nachbarschaft, oder im persönlichen Umfeld zunehmen rechte Positionen geäußert werden?
Die Autorin arbeitet Begriffe zunächst sorgfältig heraus, ordnet sie sprachlich, historisch, teilweise philosophisch ein und schafft so eine gemeinsame Grundlage für die weiteren Überlegungen. Hier, wie im gesamten Buch, schafft sie es ohne die Texte dabei unnötig akademisch daherkommen zu lassen. Im Gegenteil: das Buch ist ausgesprochen zugänglich und büßt zugleich nichts an Substanz ein.
Viel trägt auch die Struktur dazu bei. Das Buch wirkt durchdacht und begegnet vielen möglichen Einwänden oder Unsicherheiten gezielt, aber organisch im Verlauf des Lesens. Mehrfach hatte ich einen ja, aber- Gedanken, der ein paar Seiten später aufgegriffen wurde.
Wie der Titel auch andeutet steht im Mittelpunkt nicht die reine Ursachenanalyse, sondern widmet sich nicht nur der Frage wie ein konstruktiver Umgang mit rechten Einstellungen aussehen kann, sondern ob und wann dieser überhaupt eingegangen werden sollte. Ausdrücklich in dem Bewusstsein, dass es keine Patentlösung gibt, aber mit dem Wunsch diese zwischenmenschliche Ebene etwas auszuleuchten.
Interessanterweise könnte ich abschließend sagen, dass ich nicht unbedingt neue Erkenntnisse gewonnen habe. Die große Stärke aber des Buches ist es das intuitiv Wahrgenommene, das Halbwissen und Bekannte systematisch einzuordnen und mit Studien, Forschung und nachvollziehbaren Argumenten zu untermauern.
Ein fundiertes, gut strukturiertes, zugängliches Sachbuch, das ein akut zeitgenössisches Thema differenziert beleuchtet und Orientierung anbietet, ohne einfache Antworten zu liefern.
Vielen Dank an netgalley und Gutkind für ein Rezensionsexemplar. Alle Meinungen sind meine eigenen.
>>Was uns in der Tat skeptisch machen sollte, ist ein Zuviel der Stille. Wo der unpolitische Raum keine Gemeinsamkeit stiftet, wo die Ruhe nicht eine bewusst gewählte Verschnaufpause vom politischen Streit darstellt, sondern dazu führt, dass uns die Kenntnis über die Meinung des Gegenübers abhandenkommt dort ist es an der Zeit, mehr zu diskutieren, mehr zu fragen und mehr verstehen zu wollen.<<